Auch bei Joachim Löw und seiner DFB-Elf geht es eben nicht immer ‘logisch’ zu

Das Stadion in Frankfurt. Quelle: Wikipedia, Foto: Muns, Lizenz: CC BY-SA 3.0
Das Stadion in Frankfurt. Quelle: Wikipedia, Foto: Muns, Lizenz: CC BY-SA 3.0

Es war zum wohl wichtigsten Länderspiel des Jahres der Löw-Elf ausgerufen worden, und die DFB-Kicker ‘lieferten’. Am Ende hieß es nach einem durchaus munteren Spielchen in Frankfurt am Main 3:1 (2:1) für Deutschland gegen die in der EM-Qualifikation bisher vor den Weltmeistern platzierten Polen. Tore durch Thomas Müller (12.) und Mario Götze (19., 82.) ebneten den Sieg. Der Gegentreffer von Robert Lewandowski (36.) blieb letztendlich folgenlos. Aufgabe erfüllt. Sogar mit einem sehr ansehnlichen Kick. Das war zuletzt ja nicht immer so.

Trotzdem blieben dem aufmerksamen Beobachter auch diesmal einige kritische Randthemen, welche auf Sicht noch an Bedeutung gewinnen könnten, vielleicht sogar dürften, nicht verborgen.

In den Tagen der Vorbereitung auf dieses Spiel wurde zunächst öffentlich darüber diskutiert, dass Torhüter Ron Robert Zieler von Hannover 96 zukünftig in der DFB-Auswahl wohl einen schweren Stand haben dürfte, da er mit seinem Vereinsteam ja nicht international spielt. Angesprochen hatte das Thema ausgerechnet Torwarttrainer Köpke vom DFB. Das heißt, im Gegensatz zu Manuel Neuer und einigen anderen Konkurrenten, kann Zieler sich nur durch regelmäßige Einsätze in der Bundesliga auszeichnen, Werbung in eigener Angelegenheit machen. Das ist faktisch natürlich unstrittig. Trotzdem wundert man sich dann doch, wie es z.B. ein Marc-Andre Ter Stegen dann überhaupt in die DFB-Auswahl schafft. Denn der spielt in Barcelona ja noch nicht einmal regelmäßig in der Liga. Ter Stegen spielte in der Vorsaison bekanntlich nur im spanischen Pokal und in der Champions League für seinen Club, hat streng genommen, so noch viel weniger Wettkampfpraxis als Zieler. Wenn Torwarttrainer Andi Köpke hier also gegen Zieler ‚anargumentieren‘ sollte, dann vermag diese Logik so schon bei seinen Torhüterkandidaten nicht wirklich zu überzeugen.

Überhaupt scheint das Anforderungsprofil für die nominierten Aktiven hier durchaus unterschiedlich zu sein. Denn Probleme mit mangelnder Spielpraxis, fehlenden internationalen Einsätzen, dürfte vermutlich im derzeitigen DFB-Kader nicht nur Zieler haben. Anderen Spielern fehlen nämlich längst nicht nur internationale Einsätze. Die spielen schon in der Liga nicht durchgängig für ihren Club. Nur stört das da dann offenbar längst nicht so sehr das Trainerteam der Nationalmannschaft. Matthias Ginter, Andre Schürrle und Lukas Podolski haben auf ihre jeweils eigene Weise zuletzt auch häufiger Probleme gehabt in die Stammelf ihres jeweiligen Clubs zu kommen.

Ginter hatte bis vor wenigen Tagen seinen Platz auf der Dortmunder Ersatzbank sicher, Schweinsteiger hatte zum Saisonstart in Manchester keinen Startplatz und Schürrle kämpft seit Monaten um seine Einsätze im Club. Streng genommen ist auch der gestrige Doppeltorschütze Mario Götze kein Stammspieler des FC Bayern, wurde er zuletzt allzu häufig auf der Bank schmoren gelassen, kam bei Champions League Spielen, wenn überhaupt, nur kurz zum Einsatz. Doch Aussagen in Richtung fehlender Auszeichnungsmöglichkeiten hört man hier derzeit nicht.

Apropos FC Bayern: Im Laufe der letzten Woche wurde ja darüber diskutiert, dass die Anzahl der nominierten Spieler des FC Bayern in der Nationalmannschaft zuletzt ein gutes Stück zurückgegangen ist. Aktuell wurden von Joachim Löw ‚nur‘ noch vier Bayern-Profis berufen (Neuer, Boateng, Müller, Götze). Auch vom BVB kamen mit Hummels, Ginter, Reus und Gündogan zunächst vier. Gespielt haben von den Bayern dann alle Vier, vom BVB mit Hummels hingegen nur Einer in der Startelf. Rechnet man Kroos und Schweinsteiger noch als ‚gefühlte‘ Bayern-Spieler hinzu, war die Dominanz des FC Bayern in der DFB-Elf gefühlt zumindest gestern noch ungebrochen.

Auch hier sieht man, Vertrauen ist, wie immer im Leben, fast Alles. Und gerade im Falle von Joachim Löw und Co. ist das Vertrauen sehr bemerkenswert verteilt. Oder wie sonst ist z.B. der Startelfeinsatz von Mittelfeldspieler Emre Can zu erklären, der gestern zum ersten Mal überhaupt in der Startelf des Weltmeisters stand, und das auf einer von ihm im Club nicht einmal so gespielten Position in der Abwehr? Wo ist da die Logik?

Auch daran sieht man, wie wichtig hier das Vertrauen von Joachim Löw für die Nominierung ist. Nicht immer geht es dabei offensichtlich wirklich logisch zu. Oder wie sonst ist die fortdauernde Nichtnominierung von z.B. Stefan Kießling von Bayer 04 Leverkusen zu erklären gewesen, denn der spielte national und international auf Top-Niveau. Und das über Jahre. War für Löw aber nie ein Thema. Bei anderen, so wie Podolski, fragt man sich schon, wieso die schon seit Jahren ständig im Kader sind, wo sie doch im Ligaalltag fast nicht mehr wahrgenommen wurden.
Solange der Erfolg für die Nationalmannschaft da ist, ist das Alles von der Masse der Fans so gerne gesehen und wird nahezu kritikfreiakzeptiert. Sobald der sportliche Erfolg aber dann irgendwann mal wieder ausbleibt bietet dieses Vorgehen aber schon reichlich Angriffsflächen. Man kann sie auch jetzt schon erkennen, wenn man denn mag.

Doch aktuell ist das Vertrauen von allen Seiten, auch in die Arbeit von ‚Weltmeister‘ Joachim Löw, scheinbar ungebrochen. Der gestrige Abend und sein sportlicher Ausgang bestärken diese Art des teilweise ‚unlogischen‘ Vorgehens dabei durchaus. Zumindest eben, solange die Mannschaft am Ende dann auch gewinnt…

2 Kommentare

Warum Lukas Podolski ständig und immer wieder aufgestellt wird, ist m. E. ganz einfach zu erklären: Joachim Löw haßt als alter Klinsmann-Kumpel den alten Klinsmann-Feind Lothar Matthäus und wird deshalb Lukas P. noch so lange spielen lassen, bis dieser den Länderspiel-Rekord von Lothar M. gebrochen hat!

Als BVBer hat mich -selbstverständlich-das überragende Spiel von Gündogan gefreut.Das ist Anlaß, von ihm in der lfd.Saison noch Großartiges erwarten zu können, was wiederum seinen Wechsel zu………..befördern wird.

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