Der Barbarei entgegentreten – Über Antifaschismus in Zeiten des Djihadismus

ISIS Quelle: Youtube
ISIS Quelle: Youtube

Heute werden in Köln wahrscheinlich über 1000 Hooligans, darunter viele Neonazis, gegen Salafisten demonstrieren.  Eigentlich wäre der Protest gegen Salafisten ein gutes Thema für alle Nazi-Gegner. Anfang November wird Lothar Galow-Bergemann auf einer Veranstaltung in Kassel sprechen. Den Text der Einladung halten wir für eine gute Grundlage, um in die Diskussion einzutreten, den Hooligan-Aufmarsch in Köln für einen guten Anlass, denn der Kampf gegen autoritäre Strukturen, gegen die Unterdrückung von Andersdenkenden, Frauen und Schwulen ist nun wirklich kein Thema von Nazis und rechten Schlägern, die in vielen den Salafisten ähneln, gegen die sie zu kämpfen vorgeben.

So sehr in Deutschland Konsens darüber herrscht, „wir alle“ seien „gegen Nazis“, so notwendig und unersetzbar sind antifaschistische Initiativen, die diesem Frieden nicht trauen. Seit Jahrzehnten begrenzen sie Handlungsspielraum und Einfluss der Naziszene oft mehr als es Staat und „Mitte der Gesellschaft“ tun. Antifa, das ist ihr unschätzbares Verdienst, will in Zeiten, in denen leider keine Aussicht besteht, die Verhältnisse grundsätzlich zum Tanzen zu bringen, wenigstens den allerschlimmsten und barbarischsten Kräften in den Weg treten.

Doch so wichtig der Kampf gegen Nazis auch ist – sie stehen schon längst nicht mehr alleine für bewussten und gewollten Marsch in Finsternis und Barbarei. Schon lange versäumen es viele Linke, Antisemitismus und islamistische Gewalt im eigenen Stadtteil zur Kenntnis zu nehmen, geschweige denn etwas dagegen zu unternehmen. Ein tragischer Fehler oder ein systematisch blinder Fleck? Auf jeden Fall erwächst auf diese Weise aus ehrlich gemeintem Kampf gegen Rassismus Verrat an Unterdrückten, Gedemütigten und Erniedrigten. Spätestens im Sommer des Jahres 2014 müsste allerdings auch den letzten Antifaschisten ein Licht aufgegangen sein.

Auf den Straßen tobte sich ein Mob aus, der einen so in Deutschland nach 1945 nicht mehr artikulierten Antisemitismus verbunden mit einer allgemeinen Menschenverachtung offen zur Schau trug. Andersgläubigen drohte er mit Macheten in der Hand an, sie „hier genauso zu töten wie im Irak“ und auf Massenaufmärschen in den Innenstädten brüllte der Mob mit “Tod den Juden!” seinen sehnlichsten Wunsch. Verachtung des Einzelnen, Aufopferung für die Gemeinschaft, Kult um die „Ehre“, Todesaffinität, Rekrutierung der Rackets aus verrohten Gewalttätern – Djihadisten sind Faschisten. Wer um ein Minimum an Menschenwürde und um Mindestvoraussetzungen für eine irgendwann vielleicht doch noch gelingende Emanzipation kämpfen will, muss sich ihnen genauso entschieden entgegenstellen wie den Nazis.

Welche Herausforderungen theoretischer wie praktischer Art ergeben sich daraus für einen Antifaschismus auf der Höhe der Zeit? Inwiefern können Begriffe wie „Islamismus“, „Islamophobie“ oder “Islamkritik“ dazu beitragen, die Problemlage zu erfassen? Warum ist eine konservativ-orthodoxe Interpretation der Religion in muslimischen Communities so stark präsent? Ist die Rede von „dem“ Islam zutreffend, der im Gegensatz zu „dem“ Christentum Humanität und Säkularität ausschließe? Wie ist ein emanzipatorischer Anspruch inmitten einer zunehmend verrückter werdenden Umgebung aus moslemhassenden Sarrazindeutschen, tatsachenresistenten Linken, Nazis und Djihadisten zu formulieren? Und wie kann er praktisch werden?

Lothar Galow-Bergemann schreibt u.a. für konkret, Jungle World und www.emmaundfritz.de

Über Antifaschismus in Zeiten des Djihadismus

Vortrag und Diskussion mit Lothar Galow-Bergemann

Mittwoch, 5. November 2014, 19.00 Uhr, Kassel

Eine Veranstaltung des Bündnis gegen Antisemitismus Kassel

 

7 Kommentare

„Wie ist ein emanzipatorischer Anspruch inmitten einer zunehmend verrückter werdenden Umgebung aus moslemhassenden Sarrazindeutschen, tatsachenresistenten Linken, Nazis und Djihadisten zu formulieren? Und wie kann er praktisch werden?“

Gut Frage. Ich denke das geht nur, wenn man jede Art des totalitären Denkens und Handelns bekämpft. Das einigt nämlich die Fanatiker jeder Couleur. Der Totalitarismus ist auf die Vernichtung des Andersdenkenden aus. Zuerst im Geiste und früher oder später in der Regel auch in der realen Tat. Religiöse Fanatiker unterscheiden sie da in nichts von politischen oder rassistischen.

Der Kampf der IS z.B. folgt im Kern den Regeln des „Totalen Krieges“ eines Joseph Goebbels. Die geistige und politische Weltherrschaft ist das mehr oder weniger offene Ziel aller totalitären Bewegungen, egal ob politisch links oder rechts ausgerichtet. Das Individuum zählt in ihnen nur als Mitglied der ideologischen Gemeinschaft. Totalitarismus beinhaltet deswegen, ausgesprochen oder nicht, immer auch ein (Um)Erziehungskonzept.

Wer die totalitäre (Um)Erziehung nicht bekämpft, der wird den Totalitarismus niemals besiegen, denn der Totalitarismus ist ein ausgesprochen attraktives Werte-Konzept. Wer ist nicht gerne per Zugehörigkeit der bessere und/oder der überlegenere Mensch. Wer ist nicht gerne per Selbstdefinition im Recht. Auf andere aus Überzeugung herabzusehen und dabei auch noch zu merken, dass sie Angst vor einem haben weil sie nicht entkommen können, ist der verlockende psychologische Kern der totalen Herrschaft.

Von der totalen Herrschaft nach innen – im kleinen wie im Großen – zum totalen Krieg nach außen, ist es dann nur noch ein kleiner Schritt. Gemeinsame Feinde schweißen nun mal am besten zusammen. Wenn sie obendrein als minderwertig zu betrachten sind, ist gegen sie auch jede Greueltat erlaubt. Wird diese obendrein noch von einem weltlichen „Führer“, oder noch besser, von einem überweltlichen „Höheren Wesen“ und/oder aus „heiligen Büchern“ befohlen und belohnt, dann kennt der Vernichtungswille und der Spaß an der Erniedrigung anderer einfach keine Grenzen mehr.

Die Linken sollten sich endlich mal auf ihre Atheistische Tradition besinnen anstatt religiösen Sekten wie dem Islam die Toleranz zu predigen. Gerade der Sozialismus und Anarchismus des 19 Jahrhunderts war gegen jedwede Religion gerichtet sehr intolerant.

„Das religiöse Elend ist in einem der Ausdruck des wirklichen Elendes und in einem die Protestation gegen das wirkliche Elend. Die Religion ist der Seufzer der bedrängten Kreatur, das Gemüth einer herzlosen Welt, wie sie der Geist geistloser Zustände ist. Sie ist das Opium des Volks.“ (Karl Marx)

„Wenn Gott existiert, ist der Mensch ein Sklave; der Mensch kann und soll aber frei sein: folglich existiert Gott nicht.“ „Wenn Gott wirklich existierte, müsste man ihn beseitigen.“ (Michael Bakunin).

Wird gerade für die Linksradikalen endlich mal wieder höchste Zeit den Mut zur Intolleranz zu Leben.

Tja, #4 ist wohl ein schönes beispiel für die aussage von #3: „Wer ist nicht gerne per Zugehörigkeit der bessere und/oder der überlegenere Mensch. Wer ist nicht gerne per Selbstdefinition im Recht.“

[…] Der Barbarei entgegentreten – Über Antifaschismus in Zeiten des Djihadismus “Heute werden in Köln wahrscheinlich über 1000 Hooligans, darunter viele Neonazis, gegen Salafisten demonstrieren.  Eigentlich wäre der Protest gegen Salafisten ein gutes Thema für alle Nazi-Gegner. Anfang November wird Lothar Galow-Bergemann auf einer Veranstaltung in Kassel sprechen. Den Text der Einladung halten wir für eine gute Grundlage, um in die Diskussion einzutreten, den Hooligan-Aufmarsch in Köln für einen guten Anlass, denn der Kampf gegen autoritäre Strukturen, gegen die Unterdrückung von Andersdenkenden, Frauen und Schwulen ist nun wirklich kein Thema von Nazis und rechten Schlägern, die in vielen den Salafisten ähneln, gegen die sie zu kämpfen vorgeben…” Beitrag vom 26. Oktober 2014 bei den Ruhrbaronen […]

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