Amokexperten bei Plasberg

Frank Plasberg hat das heutige Thema von Hart aber fair geändert. Nach dem Amoklauf von Winnenden lautet es nun "Schule der Angst – was macht Kinder zu Amokläufern?".

Frank Plasberg Foto: WDR

Zur Teilnahme des Talks in Berlin konnten  kurzfristig bekannte Amokexperten wie Wolfgang Bosbach, der stellvertretender Vorsitzender der CDU/CSU-Fraktion und der niedersächsische Kriminologe Prof. Christian Pfeiffer, die Psychologin Rebecca Bondü und der Journalist Tom Westerholt bewegt werden.

Frank Plasberg hat das heutige Thema von Hart aber fair geändert. Nach dem Amoklauf von Winnenden lautet es nun "Schule der Angst – was macht Kinder zu Amokläufern?".

Frank Plasberg Foto: WDR

Zur Teilnahme des Talks in Berlin konnten  kurzfristig bekannte Amokexperten wie Wolfgang Bosbach, der stellvertretender Vorsitzender der CDU/CSU-Fraktion und der niedersächsische Kriminologe Prof. Christian Pfeiffer, die Psychologin Rebecca Bondü und der Journalist Tom Westerholt bewegt werden. Während Bosbach wohl einfach heute Abend nichts Besseres vor hattte, kann man davon ausgehen, dass Pfeiffer wieder einmal die Gelegenheit nutzen wird, auf die Gefahr von Computerspielen für die zarte Seele von Jugendlichen hinzuweisen. Bekanntlich starben die Opfer des heutigen Vormittags ja nicht an Kugeln aus einer Waffe, die der Täter wohl seinem Vater geklaut hatte, sondern an  Ballerspielen. Gegenhalten wird wohl Westerholt, der selbst  Computerspiele bespricht.  Mich  persönlich würde ja unter anderem interessieren, warum in diesem Land so viele Schußwaffen herum liegen, wieso beinahe jeder Trottel sie bekommen kann und wieso ein Privatmann, der Vater des Täters, gleich 16 davon in seiner Wohnung hatte.  

Aber nein, wir kennen ja den Satz aus "Thank you for Smoking": Waffen töten keine Menschen. Menschen töten Menschen. 

16 Kommentare

man muss bei dieser diskussion zunächst die grundlegenden ursachen solcher extremtaten und die sekundären, auslösenden bedingungen streng voneinander trennen – sonst läuft man gefahr, die eigentlichen probleme zu verharmlosen und die peripheren umstände stellvertretend und unbeholfen in den vordergrund zu schieben – womit (absichtlich?) verhindert wird, solch schrecklichen begebenheiten tatsächlich auf den grund zu gehen.

für amokläufe dieser art heißt das: pc-spiele oder die verfügbarkeit von waffen sind allerhöchstens die auslöser oder situational begünstigenden faktoren, aber keine ursachen.

die wahren gründe solcher taten sind natürlich viel komplexer und können daher weniger plakativ an den pranger gestellt werden. eine plausible erklärung stellt der berufsverband deutscher psychologinnen und psychologen dar:

“Gegenwärtig besteht allgemein Konsens dazu, dass es sich bei den Tätern in der Regel um narzisstische oder Borderline-Persönlichkeitsstörungen handelt, die folgende Wesensmerkmale aufweisen: geringe Frustrationstoleranz, Ich-Schwäche, Identitätsunsicherheiten, sexuelle Störungen, berufliche Überanpassung, Waffenfanatismus, häufige Wechsel in sozialen Beziehungen, passiv-aggressive Neigungen und Impulskontrolldurchbrüche. Insofern kann allgemein von Impulskontrollstörungen oder dissoziativen Störungen im Zusammenhang mit Amoktaten gesprochen werden.”

(Quelle: http://www.bdp-verband.org/psychologie/glossar/amok.shtml)

sicherlich ist das ein verallgemeinerndes psychopatholisches modell, aber angesichts dieser erklärung ist es sehr unwahrscheinlich, dass der täter aus baden-württemberg eine “doppelte identität” gehabt hat, wie jetzt behauptet wird.

menschen, die psychisch stabil sind, begehen solche taten nicht und schon gar nicht aufgrund einer mysteriösen zweiten identität, die niemandem im näheren umfeld aufgefallen ist. das wäre zu einfach.

mein beileid gilt allen betroffenen, auch der familie des täters.

@renata: Ich glaube auch dass die Ursache eine schwere Störung des Jungen ist – aber ohne Schußwaffe hätte es nie die hohe Zahl an Opfern geben können.

@ renata

“..menschen die psychisch stabil sind, begehen solche taten nicht…”

renata, lesen sie sich bitte noch einmal selbst laut die ersten 5 Wesensmerkmale vor, die sie Amokläufern im Konsens (vermutlich) mit ihren Kollegen und Kolleginnen zuschreiben. Dann schauen sie sich in der Welt einfach nur mal um. Ungefähr jeder Zweite könnte sich nach diesen Kriterien sehr schnell in eine “schießfreudige Bestie” verwandeln, wenn denn nur der richtige “Auslöser” und eine Waffe dazu kommt.

Und was die psychische Stabilität des Menschen betrifft, von der sie fast apodiktische behaupten, dass sie ihn, hat er sie erstmal erreicht, immun gegen massive Anfälle von Selbst- und Fremdaggression macht, wäre ich mir keinesweg sicher, wie lange die unter größerer Dauerbelastung anhält.

@ arnold voß

bitte verstehen sie die genannten wesensmerkmale nicht in einem alltagspsychologischen sinne, sondern als klinische kriterien, die nicht das normale spektrum allzu menschlicher schwächen – also eben nicht jede zweite person auf der welt -, sondern den pathologischen extrembereich betreffen.

tiefgreifende persönlichkeitsstörungen finden sich bei nur ca. 5-10% der bevölkerung. wenn also z.b. von impulskontrollstörungen die rede ist, dann geht es nicht darum, dass man die finger nicht von der schokolade lassen kann, sondern um eine schwere störung der handlungsregulation, bei der negativen impulsen/trieben unkontrolliert nachgegeben wird.
und da eben nur sehr wenige menschen von solchen und den anderen genannten schweren symptomen betroffen sind, reicht ganz sicherlich nicht einfach nur ein auslöser, um uns alle durchdrehen zu lassen. deshalb läuft ja auch nur ein winzig geringer anteil der menschen amok, obwohl ein relativ großer anteil den selben objektiven problemen, belastungen, versuchungen etc. ausgesetzt ist.

es muss also strukturelle unterschiede zwischen den extremtätern und den “normal gefrusteten”, die nicht aggressiv werden, geben. und diese lassen sich aus psychologischer sicht am ehesten in der persönlichkeitsstruktur finden.

damit möchte ich keine ferndiagnose stellen, sondern nur auf eine ursache hinweisen, die eine alternative zu den immer gleichen, meiner meinung nach oberflächlichen erklärungen bietet.

ich behaupte im übrigen auch absolut nicht, dass psychische stabilität ein statischer dauerzustand ist – sie sagen es ja selbst: wenn unkontollierbare aggressive tendenzen auftreten, dann ist dieser zustand eben nicht mehr gegeben.

abgesehen von der diskussion um die ursachen ist es jedenfalls einfach tragisch und schwer zu begreifen, dass der mensch auch eine ganz, ganz dunkle seite haben kann.
es bleibt trotz aller erklärungen unfassbar, dass auch das eine konstante unseres seins ist.

@ Jens Kobler

Auch wen ich mich bemühe – ich kann mir keinen Reim darauf
machen, was Du mit Deinem Kommentar sagen möchtest.

Also die psychologischen Details sind doch eine Scheindiskussion. Was alle Amokläufe ob hier, Finnland oder USA verbindet ist doch der leichtfertige Zugang zu Waffen.
In Erfurt kommt ein Schüler an eine PUMPGUN !!! in BaWü ein Schüler an ein grosskalibriges GEWEHR !!!

Ich finde, wir solten es halten wie die Holländer. Dort ist schon der pure Besitz von Waffen für Privatpersonen strafbar. Es gibt KEINEN Grund das irgendjemand ausserhalb der Staatsgewalt eine Waffe besitzt.

Sammelt alle ein und vorschrottet sie !!!

Scheiss auf Jäger und Schützenvereine !!!

@ Philipp:
Mal in persönlich ausgedrückt: Ich erinnere mich mit Schrecken an die letzten Betreuungsmaßnahmen des deutschen Fernsehens für die Bevölkerung, die ich irgendwann zum letzten Mal angesehen habe. Das schwankt dann immer zwischen dem üblichen “Diskurshoheit so drehen, dass bei den Diskussionen herauskommt was irgendwem gerade eh in die Agenda passt” und handelsüblich verbrämter Sensationslust inklusive Werbung für passende Fachleute.
Konkret hierbei: Das Thema “Waffen” mag man sich da ja jetzt für hier mal eben rausgreifen, aber der Rest gehört m.E. einfach nicht in eine Show – und mehr macht auch der Plasberg nicht. Persönliche Schicksale werden irgendwie zu einem Katastrophentrend hochgedrechselt, mehr als Seifenoper kann TV emotional eh kaum vermitteln (s.o.), also empören sich schlimmstenfalls alle und graben sich danach noch weiter ein. Macht das eigentlich “stabil”, Plasberg zu gucken? Tut man das deshalb? Hm, vielleicht nochmal Ganztagsschulen ansprechen?
Ich hab den Artikel halt eher als Medien-News gelesen und nicht als Aufforderung, Hobbypsychologie zu betreiben.

@ Pat Boone:
Den Kommentar verstehe ich gut. Weil oder obwohl ich eigentlich kein TV sehe? Hm.

?Diskurshoheit so drehen, dass bei den Diskussionen herauskommt was irgendwem gerade eh in die Agenda passt?
Genau das haben Bosbach und Pfeiffer bei Plasberg wieder geschafft – mit ihrem Populismus-Thema “Computerspiele”. Warum verbietet man nicht ignorante Idioten, die Halbwüchsigen Schußwaffen zugänglich machen?

Ich habe mich vor kurzem für ein Projekt mit einem fürchterlichen Amok-Lauf in Köln beschäftigt – Volkhoven. Damals hatte sich ein Mann selbst einen Flammenwerfer gebaut und war in eine Schule gestürmt. Danach wurde das Pflanzenschutzmittel verboten, mit dem der Mann den Flammenwerfer gebaut hatte. Viel wichtiger war jedoch die Erkenntnis, dass der Mann seit Jahren psychisch krank war – und niemand die entsprechenden Maßnahmen eingeleitet hat. Weil sich niemand für ihn verantwortlich fühlte.

Ich glaube wirklich nicht, dass der Täter aus Winnenden vorher nicht in irgendeiner Form verhaltensauffällig geworden ist. Mag sein, dass er nach außen ruhig war – aber die Änderungen in seinem Denken müssten seinen Eltern eigentlich aufgefallen sein. Auch sein gesteigertes Interesse für Schusswaffen. Irgendwie werde ich das Gefühl nicht los, dass da Leute nicht wirklich hingehört haben…

Die Schuld jetzt bei Computerspielen, Schützenvereinen etc. zu suchen, halte ich für falsch. Klar: Heranwachsende dürfen keinen Zugang zu Waffen haben. Und natürlich sollten sie auch keine blutrünstigen Ego-Shooter spielen. Aber machen wir uns nicht etwas vor, wenn wir glauben so etwas jemals kontrollieren zu können?

Nehmen wir einmal an, es gäbe keine einzige Schusswaffe mehr – und vor jeder Schule stünden Polizisten. Dann wären die Schulen vielleicht sicherer. Doch wer würde die Kinder auf dem Nachhauseweg schützen – oder nachmittags im Park? Und wer würde verhindern können, dass man sich Waffen selbst baut? Man kann nicht jeden Winkel der Welt rund um die Uhr überwachen. Eltern können sich aber mehr Zeit für ihre Kinder nehmen.

@ Mit-Leser:
Um das klar zu stellen: So wie in Ihrem letzten Satz meinte ich das mit “Ganztagsschulen ansprechen”, nämlich zynisch insofern, dass dann wieder aus Kreisen der CDU wieder eher “Polizei an die Schulen!” (und ich will keine Gesellschaft, in der Kinder so aufwachsen!) und aus SPD-Kreisen eher “(noch) Mehr Staat in die Pädagogik!” kommt (und ich will keine Gesellschaft, in der …!). Die generell fehlende Empathie der Berufs-Katastrophentouristen (also Experten) und die Kümmer-Reflexe der Hobbypädagogen mal außen vor.
Per TV-Bestrahlung gelenkte Betroffenheitsreflexe lenken vielleicht in einem gewissen Rahmen bestimmte politische Sichtweisen der Bevölkerung, mit einer ernsthaften Auseinandersetzung mit persönlichen Schicksalen haben sie jedoch offensichtlich nichts zu tun.
Welche Erwachsenen und Vorbilder wären/sind das denn bitte, die sich von einer solchen Propaganda so simpel lenken lassen? Und wie kommt das und die dazugehörige Quoten- und Auflagenhatz eigentlich bei Kindern, Jugendlichen und Opfern an? Wohl eher nicht wie “Deutschland trauert”… Womit ich keine Sendung über Trauerarbeit vorschlage, übrigens.

@ Mitleser
Vielleicht hat der Vater des Täters das sogar gemacht. Nur auf seine Art. Indem er seinem Jungen als Waffennarr ausführlich die Benutzung seiner 16 Schießprügel erklärt hat.

P.S. Aber ich weiß natürlich, dass sie das Sich-Zeit-nehmen nicht s o gemeint haben. Eltern kann man sich aber als Kind nun mal nicht aussuchen. Und das ist Grunddrama oder das Basisglück eines jeden Kindes. Manchmal sogar beides gleichzeitig.

Unabhängig von der Frage, ob bei dem Täter eine psychische Störung vorliegt und wenn ja, dann die Frage, warum darauf nicht reagiert wurde, auch nicht reagiert auf den Vater, der 15 Waffen in seinem Hause hat, sei einfach mal die Frage in den Raum gestellt, ob nicht eher die Tat eines(vermeintlichen) Loser vorliegt. Einem Loser, der nicht als ein solcher geboren wurde.
Mit Fug und Recht kann ich sagen, hätte ich die Perspektiven bei der Lehrstellensuche vor über 40 Jahren gehabt, wie sie den Kids heute zugemutet werden, hätte ich damals das dumme Gequatsche der Klement oder Scholz über mich ergehen lassen müssen, ich glaube, ich wäre bei der RAF gelandet.

Bei “ignorante Idioten” in #10 liegt meine Betonung übrigens auf “ignorant”. ich kann die Faszination, die von einer Waffe ausgeht, gut nachvollziehen und Sportschützen und Jäger sollen gerne ihren Spaß daran haben dürfen. Eine Waffe herum liegen zu lassen, ist allerdings schwer zu verzeihen. Und das Seelenleben Jugendlicher in ihrer schwierigen Lebensphase nicht genau zu studieren und evtl. Hilfe zu leisten ist überhaupt völlig unverzeihlich.

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