Am Aschermittwoch. Alles vorbei? Unsinn.

„Am Aschermittwoch ist alles vorbei“, heißt es oft – weniger am Aschermittwoch, sondern in der Zeit zuvor. Dabei stimmt das gar nicht.

Quelle: bild.de - screenshot

„Am Aschermittwoch ist alles vorbei“, heißt es oft – weniger am Aschermittwoch, sondern in der Zeit zuvor. Dabei stimmt das gar nicht. Karneval ist vorbei, aber auch nur in diesem Jahr. Nächstes Jahr gibt es wieder die „fünfte Jahreszeit“, und selbstverständlich auch wieder einen Aschermittwoch. Und so weiter, und so fort. Übernächstes Jahr gibt es auch wieder … – Stopp!!! Schon vergessen? Oder etwa nicht die Zeitung gelesen? Hier:

„Die Erdkruste zerplatzt, ganze Städte rutschen ins Meer. Flutwellen überschwemmen selbst die höchsten Gipfel des Himalaya-Gebirges. Erdbeben zerstören die Großstädte der Welt von Rom bis Los Angeles…“ – So! Und zwar nicht irgendwann, sondern exaktemente am 21. Dezember 2012. Damit Sie Bescheid wissen.
Nix da, Mumpitz! An diesem Tag endet nämlich der Maja-Kalender. Das ist natürlich kein Zufall. Aufgepasst: „Die Mayas wollten uns damit warnen“, sagt kein geringerer als Walter-Jörg Langbein, immerhin ein „Fachautor“. Nach Ansicht der Mayas „endet an diesem Tag die erste Stufe der Menschheit“, weil dann – nach Ansicht Langbeins – „etwas Neues beginnt“. Auf zu den Sternen, das macht doch Spaß! Langbein ist sicher: „Einst hat die Menschheit die Ozeane verlassen, ist auf die Erde gegangen. Als nächstes erobern wir in riesigen Raumschiffen das All, gründen dort Kolonien.“

Davor haben die Götter allerdings – nicht ganz so spaßig – noch diesen Weltuntergang gesetzt. Genau: terminiert für den 21. Dezember 2012. Dumme Sache, sicher, jetzt aber auch nicht mehr zu ändern. Folglich tut eine gewisse Vorbereitung Not. Der zitierte Artikel ist deshalb – Bild hilft! – überschrieben mit: „2012 – Menschheit soll in Raumschiffen fliehen“. Eigentlich naheliegend.
Da gibt es gar nichts zu grinsen. Hier bitteschön: „Der Weltuntergang steht uns bevor. Zumindest, wenn man den Berechnungen der Maya glaubt. Geht es nach nämlich ihnen, dann ist der 21. Dezember 2012 der Tag, an dem alles Leben auf der Erde endet.“
Zumindest, zumindest – die Beweislage ist bedrückend. Zum Beispiel: „Auch Nostradamus sagt man – anhand neu gefundener Dokumente – Prophezeiungen zu, in denen der 21.12.2012 als Tag der Apokalypse feststehen soll.“ Wenn Sie möchten, können Sie das selbst überprüfen. Auf der Webseite weltuntergang-2012.de/.

Über die Anschaffung eines Raumschiffes nachzudenken, empfiehlt sich also in jedem Fall. Die Zinsen sind zur Zeit niedrig; Sie können also guten Gewissens eine lange Laufzeit ihres Kredits in Erwägung ziehen. Denken Sie aber unbedingt daran, dass Ihr Fluggerät Super E-10 vertragen kann! Zerfressene Schläuche können gerade in der Milchstraße für ungeahnten Ärger sorgen.
Sie haben die freie Wahl: entweder hier die zerplatzte Erdkruste oder die Gründung einer schönen neuen Kolonie im Weltall, irgendwo wo es schön ist. Bild hat schon genug geholfen: Sie sollen „in Raumschiffen fliehen“. Das muss reichen, Sie sind alt genug. Also besorgen Sie sich so ein Ding! Ich würde Sie ja gern mitnehmen.


Da meine Hausbank mir jedoch nur einen Kredit für einen Zehnsitzer bewilligt hat, muss ich bei der Auswahl meiner Mitreisenden leider streng auf die Kriterien Familienzugehörigkeit und / oder Blutsverwandtschaft achten. Ich bitte um Verständnis.
Jetzt also mal nicht so knickerig ins Portemonnaie gucken. Zumal an anderer Stelle ja durchaus mit Einspareffekten zu rechnen ist. Im Falle eines Weltuntergangs – wir wissen es von Hanns Dieter Hüsch – muss auch „die 100-Jahr-Feier des Tennisclubs Blau-Weiß leider ausfallen”.

Ganz wichtig: jetzt auf jeden Fall locker bleiben. Bis zum 21. Dezember 2012 ist es noch ein ganzes Stück hin. Eindreiviertel Jahr! Und: jetzt bloß nicht lethargisch werden! Gerade nach den „tollen Tagen“ kann ja so etwas nur allzu leicht passieren. „Am Aschermittwoch ist alles vorbei“leichtfertiges Gequatsche. Nehmen Sie nur die berühmten Fußballtrainer: Louis van Gaal, Arnim Veh, Felix Magath. Ist für die etwa „alles vorbei“?
Nein, sie haben noch bis zum Sommer einen Arbeitsplatz – genug Zeit also, sich einen neuen Verein zu suchen. Zweijahresvertrag, dann Vertragauflösung zur Winterpause 2012/13. Wenn der Verein sie anmahnen sollte. Vielleicht ist er aber auch genauso – sagen wir mal – kurzsichtig wie meine Hausbank. Das ist letztlich aber auch egal; denn: „Davon geht die Welt nicht unter“.

5 Kommentare

Lieber Werner,

ich finde Deinen Sinn für Sarkasmus toll. Mit Dir haben die Ruhrbarone einen tollen Mitstreiter gefunden.

Leider unterliegst Du in Deinem Kommentar einem fundamentalen Irrtum:

In der Politik nennt sich alles Karneval was ab Aschermittwoch bis Weiberfastnacht des darauf folgenden Jahres passiert.

In den paar “tollen” Tagen zwischen Weiberfastnacht und Aschermittwoch gönnt sich unsere Politnomenklatura eine völlig besoffene Auszeit vom Karneval, dann machen sie ernst und zeigen ihr wahres Gesicht.

Da das Volk dann aber besoffen ist, kriegt das Volk das während des offiziellen Karnevals nicht mit.

In der Poltik begann die fünfte Jahreszeit heute, mit dem CSU Massenbesäufnis in Passau, auch politischer Aschermittwoch genannt und endet erst nächstes Jahr mit Weiberfastnacht.

Kenner der Szene wissen so etwas und wer weiss, vielleicht wird Louis van Gaal nächster Bundestrainer der Nationalmannschaft Deutschlands, Juri Löw Bundeskanzler, Felix Magath Vorsitzender der Veltins Brauerei und Bundesangi Star in der Kochshow von “Lanz kocht”?

Die Session ist lang, da kann viel passieren …

M.f.G.

[Klugscheissermodus ein]

Der große Irrtum beginnt dort, wo die Bildzeitung den Aztekenkalender zeigt, um über den Kalender der Mayas zu berichten. Der Mayakalender besteht aus zwei Kreisen, die wie Zahnräder ineinander greifen. Der eine Kreis hat 365 Zacken (Haab) und enspricht dem Erdenjahr, der zweite Kreis hat 260 Zacken (Tzolkin) und entspricht dem religiösen Jahr. Es dauert genau 52 Jahre, bis sich die Kreise so gedreht haben, das exakt die Anfangsposition wieder erreicht ist. Als Erstehungsdatum der Welt legten die Maya den 11. August 3114 v.Chr. fest. Da der eigentliche Kalender nur 52 Jahre darstellen kann und die Mayas trotzdem genau datieren wollten, haben sie eine zusätzliche Zählung vom Beginn der Weltentstehung laufen gelassen, die sogenannte Lange Zählung. Hierbei handelt es sich um ein mathematisches Zwanziger System, dessen Darstellungsmöglichkeit, (wie der Kalender auch) endlich ist. Das, was da von Esotherikfreaks und anderen Theologen als Weltuntergang propagiert wird, ist nichts anderes als das Ende der Langen Zählung, weil es für den Tag nach dem 21. Dezember einfach keine neuen Symbolkombinationen mehr möglich ist.

Der zweite große Irrtum beginnt da, wo man glaubt, dass es sich bei dem in/im Bild dargestellten Aztekenkalender wirklich um einen Kalender dreht. In Wahrheit handelt es sich um einen Opferstein, den sogenannten “Sonnenstein” zur Huldigung des aztekischen Sonnengottes Tonatiuh, dessen Gesicht im Mittelpunkt zu sehen ist. Nachdem die Spanier Tenochtitlan, das heutige Mexiko-Stadt und damalige Zentrum der Azteken zerstört hatten, fand man den Stein 1790 bei der Neugestaltung des Hauptplatzes von Mexiko-Stadt. Das ist Luftlinie mehr als 1000 km von den Aussengrenzen des Reichs der Mayas entfernt. Heute steht das Teil im Anthropologischen Museum der Hauptstadt. Der in der Bild dargestellte Mayakalender hat mit Zeitzählung und Weltuntergang also nichts zu tun, sondern diente der Aztekischen Pristerschaft als Untersatz, um tausenden von Menschen bei lebendigem Leib das Herz aus der Brust zu schneiden. Er enthält eine einzige Zeitangabe, nämlich 4 olin, ein ganz bestimmter Tag, an dem die aztekische Welt untergegangen ist, und das bereits zum fünften Mal!

Der dritte große Irrtrum liegt dort, wo man glaubt, dass es sich bei Wikipedia um ein seriöses und ernstzunehmendes Nachschlagewerk handelt. Gerade weil jeder mitmachen kann und beispielsweise evangelische Theologe, die von Tüten und Blasen schon keine Ahnung haben, meinen, sich darüber hinaus auch noch zu Mesoamerikanischen Kulturen äussern zu müssen, kann man dort viele Berichte getrost in die Tonne kloppen.

[Klugscheissermodus aus]

😉

@der, der auszog#2

[Klugscheissermodus erneut ein]

aus Wikipedia:

http://de.wikipedia.org/wiki/Silvester_II.

Die apokalyptische Stimmung der Zeitgenossen vor der ersten Jahrtausendwende soll auch Papst Silvester ergriffen haben. Die Überlieferung sieht ihn in der Neujahrsnacht zitternd die Messe feiern, da er mit dem Weltuntergang während der Wandlung gerechnet habe.

[Klugscheissermodus erneut aus]

Mir tut es in diesem Zusammenhang um die Amerikaner leid, die gerade jetzt ihre Raumfähren ersatzlos außer Dienst nehmen. Ein wirklich schlechtes Timing.

Ich glaube es geht bei der ganzen Sache nicht im geringsten um Fakten sondern um die Lust am kollektiven Gruseln. Wenn es Leute gibt, die davon was verstehen, dann sind es die Redaktionsmitglieder der Bild. Die Mädels und Jungs da könnten auch mit großem Erfolg eine Geisterbahn betreiben.

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