Alles außer Pop – Grüner Druide mit Bong

Im Bermudahosendreieck zwischen Stoner Rock, Sludge und Doom treiben nicht nur jede Menge Kapuzenpullis, Bundeswehrrucksäcke und aufgeweichte Longpapers, sondern auch diverse Bands mit Namen wie Bongzilla, Weedeater oder Bongripper. Und was für ein Chlorophyll-Miraculix das ist, der für Green Druid Pate steht, auch das kann man sich denken.
Diese Art von Musik ist grundsätzlich ja leicht zusammengebaut: Man braucht heruntergestimmte Gitarren und ein paar Orange-Verstärker, bluesige Riffs im Schneckentempo, einen sparsamen Trommler und einen Sänger, der wahlweise kreischt oder Ozzy Osborne guten Tag sagt. Die musikalische Tempo-30-Zone erlaubt es, auch dann noch mitzuhalten, wenn das Blut vor Tetrahydrocannabinol zähflüssig geworden ist und zwischen zwei Anschlägen kann man gegebenenfalls mal eben eine Tüte anzünden.
Die Spreu vom Weizen oder besser die Blüte vom Stängel trennt sich hier nicht beim Erfindungsreichtum, sondern bei der Performance. Denn langsam kann bedeuten, wie ein untermotorisierter Trecker über einen Feldweg zu tuckern – oder wie eine Hochleistungslandmaschine durch die Schollen zu pflügen und mit jeder Umdrehung Erdreich aufzubrechen, unaufhaltsam, mit der Massenträgheit mehrerer Tonnen Stahl. Guter Sludge zieht seine Spannung aus dieser Bewegung, die zäh ist, aber mächtig, die sich Beat für Beat weiterfräst wie eine Gripper-TBM.
Green Druid fräsen und treiben prächtig. Wenn der langsame Rhythmus wie ein Puls an der Grenze zur Bradykardie ist, dann ist das Laut-Leise-Spiel der Atem. Geduldig schichten sie Dezibel um Dezibel, um in exstatischen Soli oder brachialen Wüstenriffs zu gipfeln und schließlich wieder das Zwerchfell zu entspannen, den rauchigen Atem rauszulassen und zu schweren Pulsschlägen zurückzukehren.
Der Sound ist wuchtig, vielleicht schon etwas zu beleibt, um in der Tradition von Vorbildern wie Eye Hate God zu stehen (bei denen all das kein Spaß mehr ist, deren Klang so kaputt ist wie die Venen eines Junkies). Green Druid liegen nicht in der Gosse, sie cruisen eher durch die Stadt und irgendwann heben sie ab und machen einen Ausflug in den Orbit und weiter bis Alpha Centauri.
Da hört auch ein alter Straightedger wie ich gerne zu.

Der Autor schreibt hier alle zwei Wochen über Musik. Über Musik redet er auch im Podcast Ach & Krach – Gespräche über Lärmmusik.

2 Kommentare

Viele Dank für den Tip! Passt gerade gut zum schwülen Wetter; außerdem krame ich meine Sleep und Electric Wizard CDs wieder aus …

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