Alles außer Pop – Die Alben des Jahres 2018

Die besten Alben des Jahres 2018, unsortiert.

Carla Bozulich – Quieter
Zwischen traurigem Cello, warmem Gesang und düsterer Elektronik musiziert diese Veteranin des Untergrunds. Marc Ribot ist auch dabei.

Anaal Nathrakh – A New Kind Of Horror
Siehe hier. Immer noch Gänsehaut wie 18 Weihnachtsbraten.

Møster – A New State Of Mind
Der norwegische Jazz-Saxofonist Kjetil Møster mit seiner Band, einschließlich Musiker von Motorpsycho und Elephant 9. Ausufernd und garantiert ohne störende “Songstrukturen”.

Laurie Anderson & Kronos Quartet – Landfall
Die Grande Dame der Jazzgeige und das berühmt-berüchtigte Kronos Quartet mit einem traurig-schaurigen Soundtrack ohne dazugehörigen Film, aber jeder Menge Kopfkino.

Rivers On Mars – Deja Voodoo
Afrofuturismus ist in und wenn ein Album schon aussieht wie von Herbie Hancock anno 1971 freut man sich. Vor allem, wenn jede Menge moderne Elemente aus Hip Hop und Elektronik das Bild komplettieren.

Pram – Across The Meridian
Habe ich erst 2018 kennengelernt, gibt es aber schon seit 1988. In der aktuellen Inkarnation herrscht eine Stimmung zwischen Shellac-Platten, defekten Spieluhren und elektronischem Geknister vor, dazu verträumter weiblicher Gesang.

Portal – Ion
Die australischen Pioniere des ultra-verzerrten Deathmetal klingen auf ihrem jüngsten Werk gerade soviel eingängiger, dass das Geballer noch eine Spur stärker wirkt. Aua und Danke.

Pharaoh Overlord – Zero
Mitglieder der finnischen Experimental-Rock-Band Circle toben sich im Krautrock aus. Das wäre vielleicht nicht als neu zu bezeichnen, aber die Kombination mit Chris-Barnes-artigem Gesang und die Mitwirkung von Hans Joachim Irmler (Faust) machen das Ganze sehr hörenswert.

Never Sol – Chamaleo
Fast schon eine Spur zu viel Pop für diese Kolumne, aber diese düster-warme Musik hatte mich von Anfang an am Haken. Lana del Rey für Nicht-Arme.

Amnesia Scanner – Another Life
Brutale Albträume kann man auch ganz ohne Geschrei und ohne verzerrte Gitarren erschaffen. Ich weiß nicht, was Androiden nehmen, wenn sie die Wirkung von Stechapfel emulieren wollen, aber so würde es klingen.

Beyond Creation – Algorithm
Manchmal braucht man großes Kino, mit Breitbildleindwand, teuren Special FX, lupenreiner Produktion und vorhersehbarem Plot. Hier ist das Deathmetal-Pendant dazu.

Colonel Petrov’s Good Judgement – Among Servants
Sind es nicht tolle Zeiten, in denen Jazzmusiker irgendetwas zwischen Mathcore, Heavy Metal und Fusion spielen können und alle Genregrenzen einfach egal geworden sind? Grüße nach Köln.

Young Echo – s/t
Würden die Liars Hip Hop machen, könnte das so klingen. Wo diese Musikrichtung sonst vor Testosteron strotzt, kreist hier das Melatonin. Musik für Rapper in Wollsocken.

Suicidal Tendencies – Get Your Fight On!
Hier besprochen, immer noch witzig.

Ambrose Akinmusire – Origami Harvest
Dass der große Wurf kein eklektischer Kitsch wie bei Kamasi Washington sein muss, beweist der Trompeter Ambrose Akinmusire auf diesem vielschichtigen Mix zwischen zeitgenössischer Kammermusik, Rap, Jazz und Gesellschaftskritik.

Der Autor schreibt hier alle zwei Wochen über Musik. Über Musik redet er auch im Podcast Ach & Krach – Gespräche über Lärmmusik.

1 Kommentar

Kommentar verfassen