Adorno-Preis für Antisemitismus?

Die Stadt Frankfurt ist offenbar bemüht, dem Bochumer Steiger Award Konkurrenz zu machen. Seit 1977 vergibt Frankfurt den Theodor-W.-Adorno-Preis für herausragende Leistungen in den Bereichen Philosophie, Musik, Theater und Film. An sich eine tolle Sache. Also nicht vergleichbar mit Sascha Hellens peinlichem Egotrip namens Steiger-Award. Doch die diesjährige Preisträgerin sorgt für weltweiten Protest. Ausgewählt hat das Kuratorium des Theodor-W.-Adorno-Preises Judith Butler. Auf den ersten Blick eine progressive Feministin. Doch ein genauerer Blick auf ihre politischen Ansichten macht deutlich, wie zynisch und respektlos es ist, dieser Person ausgerechnet einen nach Adorno benannten Preis zu verleihen.

“Es ist außerordentlich wichtig, die Hamas und die Hisbollah als soziale Bewegungen zu begreifen, die progressiv und links, die Teil einer globalen Linken sind.” Wer könnte das gesagt haben? Horst Mahler? Fast! Diese Worte stammen von Judith Butler. Die innerhalb der Sozialwissenschaften gehypte Butler ist Mitglied im Boycott, Divestment and Sanctions Movement (BDS). Die BDS ist ein loser Verbund von Israelhassern. Selbst bekennenden Antizionisten geht die Intention der Boykott-Bewegung zu weit. Denn so gehe es der BDS nicht darum, den Palästinensern zu helfen, sondern allein darum, Israel das Existenzrecht abzusprechen. Das sagen selbst so verbohrte Spinner wie Chomsky und Finkelstein. Judith Butler stört das wenig. Sie hält verbissen an ihrem Hass auf Israel fest und verurteilt regelmäßig jede feministische Kritik am Islam. Warum verteidigt eine Feministin das iranische Mullah-Regime, das erst gerade mal wieder die Rechte von Frauen massiv beschnitten hat? Warum sympathisiert sie mit faschistischen und menschenfeindlichen Organisationen wie der Hamas? Es ist immer wieder erschreckend zu sehen, welche absurden und wahnsinnigen Widersprüche Einzug in das politische Denken halten, um den Hass auf Israel zu begründen.

Theodor W. Adorno, einer der bekanntesten Söhne der Stadt Frankfurt, widmete Israel weite Teile seines Wirkens. Die Geschichte des weltweiten Antisemitismus machte den Zionismus zwingend erforderlich. Das Resultat, der Staat Israel, ist heute der wichtigste Zufluchtsort für verfolgte Juden auf der ganzen Welt. Kaum ein anderer stellte dies besser heraus als Adorno. Schon zu Lebzeiten brachte ihm das nicht nur viel Kritik, sondern auch viel Hass ein. Größtenteils von Linken. Heute scheint man sich in Frankfurt nicht mal mehr an Adornos Israel-Solidarität erinnern zu können. Am 11. September wird Judith Butler der Theodor-W.-Adorno-Preis verliehen.

75 Kommentare

Butlers Werk, ich schätze sogar ihr ganzes Leben, ist durchzogen von einer übergroßen Sehnsucht nach Geschlechtlosigkeit. Nach einer Subjektbildung ohne sexuelle Rollenzuschreibungen. Im Kern ihres Werk-Denkens lehnt sie die Kategorie des Geschlechtes grundsätzlich ab. Auf diese Denk-Basis ist die Repression, z.B. in islamistischen Regimen, gegen über Frauen (als Geschlecht) für sie eigentlich gar nicht vorhanden.

Also, dieser Butler-Hass macht mich sprachlos. Nicht nur für mich ist Judith-Butler die bedeutendste queer-feministische Philosophin weit und breit. Natürlich sind ihre kritischen Thesen sehr streitbar. Aber die Polemik von Jan Keitsch scheint mir völlig überzogen. Vor dem Hintergrund von Butlers “Kritik der ethischen Gewalt” erscheint mir auch die These von Arnold Voss ziemlich unplausibel. Wenn man natürlich glaubt, dass jede Kritik an Israel – auch von jüdischen Autorinnen – zwangsläufig antisemitisch sein muss, dann bitteschön…

Einer Jüdin, die mit der Hamas sympathisiert, muss ein grüner Religionswissenschaftler natürlich sofort und unverzüglich das Jüdischsein absprechen und sie zur Antisemitin abstempeln. Wo käme man denn da auch nur hin, wenn sich ausgerechnet eine Jüdin über die Politik Israels empören und polemisieren würde?

@ Quef: Es geht in meinem Artikel doch nicht um Butler als queer-feministische Philosophin. Deine Einschätzung diesbezüglich teile ich ja. Das macht mich aber noch wütender, dass sie mit autoritären, antifeministischen, homophoben und antisemitischen Gruppen sympathisiert. Das hat doch nichts mehr mit Israel-Kritik zu tun.

@ Ben: Wo spreche ich ihr denn das “Jüdischsein” ab? Und hinter Antisemitismus steht ein Fragezeichen. Was ich ihr direkt vorwerfe, ist Hass auf Israel. Dieser hat aber meist antisemitische Hintergründe.

@ Quef + Ben #3 + # 4

Es ist für diese Diskussion völlig irrelvant ob Butler Jüdin ist und das sieht sie sicher auch selbst so. Im Gegenteil, das genau ist ja auch eine Form des Antsemitismus, wenn Jemand in seiner politischen Position gegen(über) Israel als Jude/Jüdin vereinnahmt wird.

Och bitte, das ist jetzt aber wirklich albern. “Ich hab da aber ein Fragezeichen hinter gesetzt” ist genau so eine stulle “Verteidigung” wie die “Ich hab ja nichts gegen Ausländer, aber xy muss man ja mal sagen können”-Argumentation.

Und was man Menschen wie Dir vorwerfen kann ist dieser unsägliche Reflex gleich hinter jeder harscheren Kritik an Israel gleich Antisemitismus zu vermuten. Frau Butler ist Jüdin und erzieht ihren Sohn jüdisch. Eine Antisemitin würde das nur machen, wäre sie schizophren. Meinetwegen hat sie einen Hass auf Israel. Sie aber nur wegen der Nähe Gruppen mit mutmaßlich antisemitisch motivierter Kritik an Israel selber in diese Kategorie zu packen (und nein, jetzt verteidige dich nicht mit “aber das hab ich ja explizit gar nicht geschrieben”) ist eine haltlose Diskreditierung und damit ein dummer Vorwurf.

btw: Zu den BDS-Unterstützern und Sympathisanten gehören übrigens auch die weltbekannten Antisemiten Ken Loach, Desmond Tutu und Aharon Shabtai.

Harschere Kritik an Israel? Sie findet Organisationen ganz dufte, die Israel vernichten wollen. Wenn jemand schreibt, dass er die NPD total klasse findet und ich vermute, dass er deshalb ein Nazi ist. Ist das dann auch ein “unsäglicher Reflex”?

Der Vorwurf, dass die Vernichtung Israels eines der Ziele von BDS wäre, leitet sich komplett aus einem einzigen Interview mit Norman Finkelstein ab. Das ist mal mega-verlässlich für all die Vorwürfe, die Du hier aufmachst.

Das bezog sich auf Hamas und Hisbollah, nicht auf die BDS.

Und diese so dermaßen zu verharmlosen und ihre antisemitische Ideologie als reinen Widerstandskampf umzudeuten (und das hat Butler ja immer wieder so gesagt), finde ich äußerst kritikwürdig.

@ Ben # 7

“Frau Butler ist Jüdin und erzieht ihren Sohn jüdisch. Eine Antisemitin würde das nur machen, wäre sie schizophren.”

Ich glaube sie haben keine Ahnung worüber sie schreiben Ben. So wie das Judentum in sich sehr unterschiedliche religiöse Richtungen kennt so ist auch die jeweilige Erziehung sehr unterschiedlich. Liberale und streng religiöse Juden z.B. mögen einander überhaupt nicht und politisch bekämpfen sie sich zum Teil bis aufs Messer.

Es gibt eben d a s Jüdische nicht, sprich Juden sind sehr unterschiedliche Menschen,bzw. wie Menschen eben so sind, und deswegen können Juden genauso Antsemiten sein wie jeder andere auch. Antisemitismus ist nicht angeboren sondern angelernt, Ben. Genauso wie Religion nicht angeboren ist.In der Regel sind Juden deswegen keine Anisemiten, aber wenn sie es aus ihren speziellen Erfahrungen und Lernprozessen heraus ausnahmsweise dennoch sind, dann müssen sie deswegen auch nicht gleich in die Klapse.

Ich würde ihnen deswegen noch einmal empfehlen, Butler in ihrer politischen Position zu Israel nicht wegen ihres Jüdischseins für ihre eigene politische Position zu vereinnahmen. Sie tun dieser äußerst klugen und engagierten Frau damit keinen Gefallen.

@Arnold: Es ist mir durchaus bewusst, worüber ich schreibe. Von daher gerne noch einmal etwas deutlicher: Antisemitismus und das Praktizieren jüdischer Traditionen wie der Bar Mitzwa gehen nicht Hand in Hand. Butler lebt mit ihrer Familie die jüdische Religion.

@Jan: Natürlich ist das kritikwürdig. Aber es gibt einen Unterschied zwischen dem kritiklosen Recyclen einer Pressemitteilung der prozionistischen Linken aus Frankfurt und einer selbst formulierten und reflektierten Kritik.

Ich lese in deinem Artikel nach wie vor eine Schmähschrift gegen Butler. Und das ist eben keine sachliche Kritik, sondern dumpfe Stimmungsmache.

@Quef
Wissen Sie, was mich sprachlos macht? Die Idee, daß es sich bei Hisbollah und Hamas um “soziale” Bewegungen handelt.
HIsbollah und Hamas sind Organisationen, die ihre einzige Legitimation aus dem Konflikt beziehen – und sich deshalb gebärden wie der “Schwarze Ritter” bei Monty Python’s “Ritter der Kokusnuss”.
Das imponiert natürlich in Deutschland, wo man seit 200 Jahren die Vernunft zugusten der Romantik ausgeknipst hat und sich dabei auch noch ungeheuer intellektuell fühlt.

Der Einwand, daß jede Kritik an Israel als Antisemitismus gebrandmarkt wird, ist so infam wie realitätsfern. Begeben Sie sich einfach mal an einem beliebigen Morgen an einen beliebigen Kiosk und sehen sich die Zeitungen an. Regelmäßig erscheinen äußerst kritische Artikel über Israel, ohne daß anschließend jemand “Antisemitismus” schreit.
Richtig ist hingegen, daß der moderne Antisemit, besonders wenn er sich als “links” versteht, seine unterschwelligen Aversionen gerne als “Israelkritik” etikettiert und die abenteuerlichsten gedanklichen Kapriolen schlägt, damits auch paßt. Das fängt bei der klammheimlichen Sympathie der 68er für die RAF und deren verschwurbelten Bekennerschreiben an, setzt sich fort in der “Solidarität mit Saddam Hussein” im ersten Golfkrieg (da war der Völkermord an den irakischen Kurden gerade mal 5 Jahre her!) und hört bei dem “kritischen Gedicht” von Günter Grass leider nicht auf, und das sind nur die Beispiele, die mir so in 5 Sekunden einfallen.

Und wenn etwas ein ganz sicheres Zeichen für verkappten Antisemitismus ist – das, lieber Quef, kann ich mir nicht verkneifen – dann ist es der Hinweis auf Juden, die “genau das gleiche” gesagt haben.
Und zwar aus drei Gründen.
Erstens haben auch Juden mal einen schlechten Tag und reden – wie Sie und ich – zuweilen dummes Zeug. Diese Vorstellung ist für Antisemiten offenbar unfaßbar (nicht das dumme Zeug, sondern das “wie Sie und ich”´!).
Und zweitens ist es nicht das Gleiche, wenn zwei dasselbe sagen.
Wenn, nur so als Beispiel, Uri Avneri sich für die Aussöhnung mit den Palästinensern einsetzt oder ein “Israel ohne Zionismus” ist das ehrenwert, weil er zu denen gehört, die die Konsequenzen zu tragen haben, z. B. in Form von Raketen, die jedesmal auf Israel nieder gehen, wenn jemand – wie zurückhaltend auch immer – das Wort “Friedensprozess” in den Mund nimmt.
Der deutsche “Friedensaktivist” muß noch nicht einmal die Opfer der Rakenangriffe im TV ertragen, weil Israel (ganz im Gegensatz zur Hamas) keine Bilder von Opfern veröffentlicht, geschweige denn innerhalb der nächsten 27 Sekunden das TV ausschalten und die Chipstüte fallen lassen, um den nächsten Schutzbunker aufzusuchen, damit er nicht durch die “primitiven, selbstgebastalten Raketen” platt gemacht wird.
Und drittens – ich weiß, mit dieser Bemerkung macht man sich extrem unbeliebt, weil seit 1945 unablässig Schlußstriche unter die deutsche Geschichte gezogen werden – ist es noch nicht einmal zynisch, wenn die Nachkommen der Täter an die Nachkommen der Opfer gute Ratschläge erteilen. Auch für einen zünftigen Zynismus ist ein gewisser Sinn für Stil und ein Grundstock an Bildung unablässig, der sich durch noch so forsche Dummdreistigkeit nicht ausgleichen läßt.

Die Debatte um eine Kritik an Israel ist richtig und notwendig. Sie darf darüber aber nicht die Frage ausblenden, ob Frau Butler diesen Preis in irgendeiner Weise verdient hat! Ihr ‘poststrukturalistisches’ (kann mir irgendwann mal jemand erklären, was das genau ist?) Geschreibsel kaut bloß immer wieder die These einer sozial bestimmten Geschlechterkonstruktion durch und ist dabei genauso langweilig wie falsch.
Wahrscheilich wollte sich das Kuratorium mal wieder mit dem Namen einer gerade viel gelesenen Autorität schmücken. Sie hat dabei aber nicht bedacht, daß der große Theodor W. in 50 Jahren immer noch viel gelesen wird, Frau Butler aber eher nicht. Wetten werden angenommen …

Die Hamas und die Hisbollah sind genauso wenig soziale, geschweige den “linke” Bewegungen wie das Geschlecht nur eine soziale, geschweige denn nur eine kommunikativ-sprachliche Zuschreibung ist. Da liegt Frau Butler leider in beiden Fällen falsch.Aber das bedeutet eben nicht, dass ihre wissenschaftliche wie ihre politische Position nicht diskutierenswert wäre und natürlich auch enstprechend diskutiert wird. Was Israel betrifft ist leider häufig eine rationale Diskussion kaum noch möglich. Offensichtlich auch nicht mit Frau Butler.

Für diejenigen, die nicht wussten, dass Subversion ein konstitutives Element in Butlers Konzeption gesellschaftlicher und politischer Praxis ist:

Butler ist Radikaldemokratin. Es geht, Arnold, daher eher nicht um „Geschlechtslosigkeit“, sondern um die freie Wahl des Geschlechts.

Und, ja: Die Aktion „Kein Adornopreis für Antisemiten!“ …
https://www.facebook.com/events/355957474481691/
… ist der hierzulande leider üblich gewordene Zirkus, den in diesem Fall Thomas von Osten-Sacken schon im Juni hat lostreten wollen. Dass Butler bei der Einschätzung, Hamas wäre theoretisch („deskriptiv“) eine linke bzw. emanzipatorische Bewegung, ganz praktisch daneben liegt, macht sie natürlich nicht zur behaupteten „Israelhasserin“. Sie favorisiert schlicht ein etwas anderes, bi-nationales und nicht-repressives Israel (für das es ja auch seit je her bereits Ansätze gibt).

@ discipulussenecae #16

“…daß der große Theodor W. in 50 Jahren immer noch viel gelesen wird…”

von wem gelesen? (dass das Buch bei Angebern im Regal steht, zählt nicht)

“Die intellektuelle Perspektive der Frankfurter Schule sei in Wirklichkeit eine romantische, elitäre Kritik der Massenkultur im neomarxistischen Gewand:

Was die Theoretiker wirklich ärgere, sei nicht die soziale Unterdrückung, sondern die Tatsache, dass die Massen Ian Fleming und den Beatles gegenüber Samuel Beckett und Anton Webern den Vorzug geben.”

DH – Butler ist Radikaldemokratin. Es geht, Arnold, daher eher nicht um „Geschlechtslosigkeit“, sondern um die freie Wahl des Geschlechts. Zitatende

ach ja, die darf man jetzt wählen? Ich will Marsmensch sein, darf ich das, geht es noch etwas absurder?

Zu der Aktion, lesen Sie irgend etwas von Osten Sacken? Wissen Sie, was erklärte BDS Aktivisten wollen? Finkelstein und Chomsky, keine wahrhaften Freunde Israels, erklären Ihnen das sehr genau, und was mich bei der ganzen Sache immer brennend interessiert, was wäre geschehen, wenn 1967 die arabischen Staaten gewonnen hätten

@ Arnold Voss

Ich stimme gerne darin überein, wenn Sie sagen, dass die Hamas nicht zur weltweiten Linken zu rechnen ist. Diese Aussage ist wirklich Blödsinn, denn “links” sein verbinde ich mit liberalen und republikanischen Werten, die der Hamas offensichtlich fremd sind.

Aber es ist nicht falsch, wenn Frau Butler bei der Hamas den sozialen Ansatz (an)erkennt. Sicherlich kann man sich trefflich streiten, ob die Hamas ihre soziale Funktion lediglich als Mittel zum Zweck einsetzt, oder ob das caritative Element ihr immanent ist.

Die katholische Kirche ist ja auch eine soziale Bewegung und als Institution sicherlich nicht der klassischen Linken zuzuordnen.

Religiöse Kräfte gedeihen wegen ihres sozialen Ansatzes leider dort besonders gut, wo die sozialen Lebensbedingungen der Menschen besonders schlecht sind bzw. die gesellschaftliche Ordnung ge- bzw. zerstört ist. Hieraus zu schlussfolgern, dass die Lebenssituation der Palästinenser verbessert werden muss, ist ja auch nicht ganz falsch. Ich glaube auch nicht, dass ein Boykott Israels hier weiter hilft, aber ich bin mir sicher, dass nur über eine Verbesserung der sozialen Situation der Palästinenser und eine rechtliche Gleichstellung auf Dauer Frieden zu erreichen ist.

@#20: Kamerad Cayal, ich nehme an, auch die TAU (nicht auf dem Mars, sondern in Tel Aviv) hat einen akademischen Lesezirkel zu queer theory. Schauen wir einfach mal, was Sie nach einem Jahr aktiver Mitarbeit im Lesezirkel immer noch „absurd“ finden.

Wenn Sie die Kampagne gegen Butler schon unterstützen, sollten Sie auch wissen, wer das Thema seinerzeit in den einschlägigen Medien aufgeworfen hat:
http://jungle-world.com/jungleblog/1704/

Es mag unter den selbsternannten „wahrhaften Freunden Israels“ mittlerweile üblich sein, den Wissenschaftler Adorno nur noch als „Freund Israels“ und die Wissenschaftlerin Butler ausschließlich als „Israelhasserin“ wahrzunehmen – ich gestatte mir, dies nicht absurd, sondern schlicht idiotisch zu finden.

“Doch die diesjährige Preisträgerin sorgt für weltweiten Protest. ”

weltweit? das täte mich wundern wenn das irgendwenn ausserhalb von BRD interessieren täte. Vielleicht ist dieses Wort deshalb nicht mit einem Link unterlegt.

@#24: Adornopreise an Butler, Derrida und Godard als (fortgesetzte) Grabschändungen zu titulieren, ist die Form von Sachlichkeit, die für die ganze Auseinandersetzung prägend zu sein scheint.

Arnold, der Text ist, in weiten Teilen, eine natürliche zulässige, z.T. mit Quellen hinterlegte, aber letztlich spekulative Polemik, die eine vorweg gestellte These stützen soll. „Unsachlich“ wird es v.a. dort, wo Quelle und Quelleninterpretation dann doch für alle sichtbar meilenweit auseinander liegen (z.B. bei (8)). Das kann man alles machen; man kann auch die Meinung vertreten „Alle doof außer Adorno“, blamieren tut man sich damit nur selbst; aber es kann nicht unwidersprochen bleiben, wenn Butlers Nachdenken über jüdische Traditionen jenseits des Zionismus und ihr Eintreten für ein anderes Israel einmal mehr mit der dümmlichen Arroganz hiesiger „Israelfreunde“ als Antisemitismus diskreditiert werden soll.

Auch die billigen Ressentiments, die gegen Poststrukturalismus, gegen Feminismus, gegen Queer Theory („Identitätsfasching“, Fußnote (4)) usw. bemüht werden, sollten eigentlich Warnung genug sein, an die Sachlichkeit solcher Texte nicht allzu große Erwartungen zu knüpfen.

1.) DH – sie haben mir diese Frage nicht beantwortet – was mich bei der ganzen Sache immer brennend interessiert, was wäre geschehen, wenn 1967 die arabischen Staaten gewonnen hätten.

2.) Bin ich NICHT ihr Kamerad/Chaverim

3.) Gibt es genug Artikel, die auf genau dieses Thema hinweisen und zwar auch in englisch und viel früher:

http://northernsong.wordpress.com/2011/03/10/israeli-apartheid-week-day-3-judith-butler-and-the-universal-boycott/

http://www.yufreepress.org/bodies-of-identity-news/judith-butler-speaks-during-israeli-apartheid-week/

http://blip.tv/adalahny/how-now-bds-media-politics-and-queer-activism-a-conversation-with-john-greyson-and-judith-butler-moderated-by-jasbir-puar-4904183

http://fullcomment.nationalpost.com/2011/03/12/promoting-israel-hatred-utoronto-grad-student-union-dues-at-work/

http://www.jpost.com/JewishWorld/JewishNews/Article.aspx?id=213963
Gay opposition rises against Israel Apartheid Week
http://www.jpost.com

http://nohomonationalism.blogspot.de/2010/06/solidarity-from-queers-against-israeli.html
NO HOMONATIONALISM: Solidarity from Queers Against Israeli Apartheid, Toronto
nohomonationalism.blogspot.com

http://clemensheni.net/2012/06/08/the-german-city-of-frankfurt-awards-the-professor-of-parody-and-hatred-of-israel-judith-butler/

http://northernsong.wordpress.com/2011/03/13/judy-on-the-global-boycott/
Judith Butler on the Global Boycott: Analysis and Response
northernsong.wordpress.com

Dutton remarked that “it’s possibly the anxiety-inducing obscurity of such writing that has led Professor Warren Hedges of Southern Oregon University to praise Judith Butler as ‘probably one of the ten smartest people on the planet’.” http://denisdutton.com/bad_writing.htm

More to Butler: http://rabble.ca/rabbletv/program-guide/2011/03/features/judith-butler-speaks-about-bds-torontos-israel-apartheid-wee
Judith Butler speaks about BDS at Toronto’s Israeli Apartheid Week | rabble.ca
rabble.ca

http://www.youtube.com/watch?v=rYfLZsb9by4 Judith Butler and the Occupy
Judith Butler at Occupy WSP
Judith Butler Speaks at washington square park

http://feministing.com/2011/10/24/judith-butler-joins-occupy/
Judith Butler joins Occupy
feministing.com
Says Judith Butler at yesterday evening’s General Assembly at Washington Square Park. In the video above, she’s at Liberty Square. Love her.

Video: My main problem with BDS is that it fails to distinguish between the occupation and the rest of Israel. This is underscored by the fact that so many groups supporting BDS are also supporting the destruction of Israel under the fantasy of a one-state solution (Butler admitting she is one of those jew-haters that demand the destruction of the world’s only Jewish state). I’m totally ok with British consumers knowing whether goods are made in the settlements, but a general boycott of Israel (who’s citizens are the harshest critics of Israel on the planet) sounds more like “Kauf nicht beim Juden.” This is especially true of academic boycotts considering Israeli academia includes people like Ilan Pappe and Benny Morris (I know Morris is a zionist but he’s lauded by the left for his work as a “new-historian,” which makes his zionism all the more awesome). Butler is full of shit for too many reasons to specify, but I’ll lay out a few: Gaza is not occupied, Egypt controls the S border, any nation has the right to control its borders with and impose a blockade on a hostile territory, Israeli arabs have full de jure rights, BDS has nothing to do with justice, it has everything to do with slandering the world’s only Jewish state -fundamentally and irredeemably anti-semitic http://pink-scare.blogspot.de/2011/03/blog-post.html

http://fullcomment.nationalpost.com/2011/03/12/promoting-israel-hatred-utoronto-grad-student-union-dues-at-work/
Promoting Israel-hatred: University of Toronto’s grad-student union at work | Full Comment | Nationa

http://rabble.ca/news/2012/05/solidarity-streets-interview-judith-butler
Solidarity in the streets: An interview with Judith Butler | rabble.ca
rabble.ca
Award-winning author and prolific feminist scholar Judith Butler will be speakin

refuses Berlin Prize: http://nohomonationalism.blogspot.de/2010/06/judith-butler-refuses-berlin-pride.html
NO HOMONATIONALISM: Judith Butler refuses Berlin Pride Civil Courage Prize 2010
nohomonationalism.blogspot.com
Well done to SUSPECT on initiating this brave move. It is a first step in attemp

http://rabble.ca/news/2010/03/coming-out-against-israeli-apartheid-case-solidarity
Coming out against Israeli apartheid: The case for solidarity | rabble.ca
rabble.ca
Each year, in the lead up to Israeli Apartheid Week (IAW), organizers expect bac

http://queersagainstapartheid.org/media/
Media
queersagainstapartheid.org
If you are a reporter who would like to get in touch with Queers Against Israeli

http://apartheidweek.org/en/node/360
How Now BDS? Media, Politics and Queer Activism | Israeli Apartheid Week
apartheidweek.org
Judith Butler is Maxine Elliot Professor in the Departments of Rhetoric and Comp.

http://www.theblogmocracy.com/2011/03/04/protest-anti-semitic-israeli-apartheid-week-attend-islamic-state-apartheid-week/
Protest Anti-Semitic ‘Israeli Apartheid Week’ – Attend Islamic State Apartheid Week › 2.0: The Blog
http://www.theblogmocracy.com

http://www.jpost.com/JewishWorld/JewishNews/Article.aspx?id=213963
Gay opposition rises against Israel Apartheid Week
http://www.jpost.com
Activists in favor and against Israel face off after a LGBT community center cancels
eid.com/about/why-cultural-boycott/

More?

Why Cultural Boycott?
punksagainstapartheid.com
Why Cultural Boycott? Just as we said during apartheid t…Mehr anzeigen

http://adalahny.org/page/766/year-end-report-2011
Year End Report, 2011 | About | Adalah-NY
adalahny.org

http://pjmedia.com/blog/bad-writing-universities-and-zionism/?singlepage=true&fb_source=message

Bad Writing, Universities, and Zionism

Wir sind hier gerade ein wenig unter Druck und können nicht alle Kommentare zeitnah freischalten, wir holen das aber nach…

@ DH

Wenn dieser Text, der einer der wenigen Kritiken ist, die auf ihre besondere Denkmethode und ihre Moralphilosophie eingeht, bzw. sie zumindest zu verstehen sucht, unsachlich ist, dann ist es Butler schon lange. Nur verbrämt sie es andauernd mit einer “Wissenschaftlichkeit” die widersprüchlicher kaum sein kann, beziehungsweise über den Performations- und den Subversionsbegriff so ziemlich alles an gegensätzlichen Urteilen erlaubt, die man nachher auch noch “begründet” widerrufen kann.

Klar ist allerdings unzweideutig, dass sie an Israel andere Maßstäbe als z.B. an seine Gegner legt und drastische Menschenrechtsverletzungen in anderen Ländern mit ihrem speziellen Kulturbegriff in einer Weise relativiert, die ihr eine Aburteilung Israels eben nicht erlauben dürfte. Es gäbe noch viel mehr an Widersprüchlichkeit in ihre Position aufzuzeigen. Aber das ist nicht der eigentliche Punkt für mich.

Sie ist leider nicht nur eine radikale Denkerin, was sie mir sympathisch macht, sie ist vor allem ein verbale Jakobinerin und Inquisitorin, wozu radikale DenkerInnen politisch immer wieder neigen. Erst Recht wenn sie die schillernde Methode der Dekonstruktion anweden. Wer dann aber in seiner politischen Praxis zum Einladungs-Boykott anderer Wissenschaftler aufruft, wenn sie nicht die eigene Meinung, sprich die von Butler, vertreten, der bekommt in dem von mir verlinkten Artikel immer noch wesentlich mehr Sachlichkeit geboten als er selbst gegenüber anderen zeigt.

Ganz besonders stinkt mir aber an der Diskussion hier, dass ihr reales Jüdischsein und ihr angebliches Linkssein immer wieder als Argument für die quasi atomatische Richtigkeit ihrer Position zu Israel genommen wird. Ich habe mich einfach zu lange mit diesem Konflikt beschäftigt, als dass ich so einen Quatsch noch länger akzeptieren kann.

Ach ja, was die “freie Wahl” des Geschlechtes betrifft. Das ist auch so ein dekonstruktiv weggezauberter Widerspruch in ihrem Denken den ihre Fans bei der Anbetung gerne übersehen. Auch und gerade die Wahl des Geschlechtes setzt eben dieses schon voraus.Sonst gäbe es nämlich nichts zu wählen.

@Arnold Voss:

Die Fußnoten gelesen, über die sich DH so ärgert? Zitat: “Wie das Engagement für die Ausweitung normativitätskritischer Kuschelzonen aussieht, konnte man jüngst im Lokalteil der Frankfurter Allgemeinen Zeitung erfahren. In einem Bericht über das an Feiertagen von allerlei Partyvolk heimgesuchte Institut für vergleichende Irrelevanz wurde veranschaulicht, wie es zugeht, wenn poststrukturalistisch Manikürte ihre Pausen vom Doktorarbeitenschreiben nutzen, um kollektiven Identitätsfasching zu organisieren”

Das ist nicht mehr polemisch, das ist schon fast beleidigend. Aus diesem Grund behalte ich mir vor, ähnlich wie DH, diesen Text nicht ernst zu nehmen und ihn unsachlich zu nennen. Und nein, Butler hat selten derartig polemischen Unsinn geschrieben.

@#26, Chayal:
ad 1.: Warum sollte jemand unseriöse, d.h. nicht seriös zu beantwortende Fragen zu beantworten versuchen?

ad 2: Schöne Fleißarbeit; allerdings ging es um den Adornopreis an Butler und den Zeitpunkt, an dem die Kampagne gegen die Preisverleihung zu starten versucht wurde.

@#28, Arnold:

„Ganz besonders stinkt mir aber an der Diskussion hier, dass ihr reales Jüdischsein und ihr angebliches Linkssein immer wieder als Argument für die quasi atomatische Richtigkeit ihrer Position zu Israel genommen wird.“

Arnold, ich weiß nicht, gegen welche Windmühlen Du anschreibst, ich jedenfalls habe nirgends geäußert, dass Butlers Positionen zu Israel in allen Punkten richtig sei; ich schrieb, dass sie keinen Israelhass darstellen.

Der Umkehrschluss, Israel wäre nur als das vorstellbar, was sich die reaktionären Gurkentruppen, die das Land seit geraumer Zeit regieren, als „Israel“ konstruieren, und alles andere sei eben „Israelhass“ – das ist etwas, was auch Du, der von sich behauptet, sich mit dem „Konflikt“ schon sehr lange beschäftigt zu haben, nicht ernsthaft wirst akzeptieren können.

Und was die Sache mit den Geschlechtern angeht, warte ich mal mit einer Antwort, bis Du Deinem Kommentar zu Ende redigiert hast.

“So reaktionär der Verweis auf Natur zumeist ist …” (Anm. 2 in lizaswelt) und J. B. auch nur “auf den ersten Blick eine progressive Feministin” ist …” (Einleitung zu diesem Artikel). Mit diesen Zuordnungen wird doch übersehen, daß solch vorschnelles Hantieren mit Werturteilen vor allem dazu dient, sich als Autor auf der gesellschaftspolitisch vermeintlich sicheren Seite zu positionieren.

Warum kann nicht einfach festgehalten werden, daß Frauen sich zumeist in Männer und Männer sich zumeist in Frauen verlieben, daß diese Vorlieben allein der natürlichen Fortpflanzung und somit der Erhaltung der Art geschuldet sind und daß J. B.s Thesen daher noch nicht einmal als akademische Fingerübungen saturierter amerikanischer Großstadtintellektueller durchgehen sollten.

Die Philosophie ist zugegeben kein einfaches Fach. Aber die Erinnerung an Kants zu Recht berühmten drei Fragen würde viel Scharlatanerie als solche entlarven und den Kopf für wichtigere Dinge freimachen.

Und dann wäre Frau Butlers Haltung zu Israel auch nicht interessanter als die der versammelten Stammtische dieser Republik.

@ D H

Du warst mit dem, was oder wer mir hier stinkt, nicht gemeint und du weisst das auch. Und natürlich wird Israel zur Zeit keineswegs von der Regierung geführt die ich mir wünsche. Aber ich habe in Israel nun mal nichts zu wünschen und auch nichts zu wählen. Und die meisten die hier diskutieren auch nicht.

Wenn man aber nicht selbst in diesem Land lebt, sollte man zumindest die besonderen Bedingungen der Menschen die dort Politik betreiben oder sich sonstwie gesellschaftlich engagieren in die Kritik einbeziehen. Dieses Land ist quasi im permanentem Bedrohungszustand und wer das leugnet, bzw. die Drohungen gegen dieses Land als politische Schaumschlägerei abtut hat schlicht keine Ahnung über was er schreibt.

Unter diesen Bedingungen wird selbst das friedlichste Volk auf Dauer kriegerisch. Und wenn dieses Kriegerische sich auch noch mit religiösem Fundamentlismus mischt, nach dem Motto “Wir gehören hier hin, nicht aber die Palästinenser”, und das ist bei israelischen Politikern zunehmend der Fall, dann ist Kritik auch von außerhalb notwendig. Natürlich auch was die damit einhergehende ebenfalls religiös überhöhte Siedlungspolitik betrifft.

Butler allerdings spricht dem Land nicht nur aus ihrer ganze persönlichen moralphilosophisch Theorie heraus das Verteidigungsrecht ab sondern sieht Israel als den einzigen Aggressor. Sie verwechselt historisch damit Ursache und Wirkung und sie beschönigt massiv das zutiefst undemokratische radikal islamistische und vor allem extrem antsemitische Regime der Hamas und sie unterschätzt den in jeder Weise militanten Antisemitismus ihrer Unterstützer und Verbündeten.

Ob eine solche politische Position jetzt als einer Art jüdischer Antsemitismus gewertet werden kann, mag ich nicht beurteilen. Aber es ist natürlich eine einseitige Position die obendrein undemokratisch wird, wenn man zum Boykott gegen israelische Akademiker und/oder Wissenschaftler aufruft, die das nicht so sehen.

@ Ben # 29

Es geht hier nicht um Fußnoten sondern um die Kernaussagen des Textes, Ben. Wäre nett wenn sie sich nicht auf Nebenschauplätze polemischer Eitel- und Böswilligkeiten des Wissenschaftsmilieus, oder was sich dafür hält, begeben, sondern sich zu dem äußern was dort durchaus sachlich geäußert wird.

Und was den Unsinn betrifft, so kann man den auch verzapfen ohne polemisch zu sein. Butler ist eine wirklich spannende Denkerin, eben weil sie so radikal und unkonventionell vorgeht. Aber genau das macht eben auch sachliche Widersprüche und politische Verwirrung möglich. Sinn und Unsinn liegen dann schon mal ganz nah beieinander wie wenn z.B. eine absolut gewaltfreie (die “strukturelle Gewalt” natürlich mit eingeschlossen) Radikaldemokratin Boykotte gegen Andersdenkende fordert, wobei doch gerade das Anders-Denken ihr Spezialfach ist.

Dekonstruktivisten nennen sowas natürlich nicht Unsinn sondern “Paradoxie”, denn sie sind, im dem sie vorgeben alles zu Entschleiern, selbst zu verbal-begrifflichen Verschleierungsmeistern geworden. Aber das ist ein anderes Thema.

@Arnold Voss: Vielleicht mal ein bisschen entspannter lesen, was ich so schreibe: An keiner Stelle behaupte ich, dass ihre Position zu Israel richtig sei und schon gar nicht leite ich aus ihrem Jüdischsein eine automatische Rechtfertigung für ihre Position ab. Es geht mir nur extrem auf den Senkel, dass man kramphaft versucht sie in eine antisemitische Ecke zu drängen. Ein Hans Küng ist auch nicht anti-christlich, nur weil er die Kirche kritisiert. Hätte die titelgebende Frage des Artikels “Adorno-Preis für Anti-Israelitin?” gelautet, wäre zwar nicht alles in Ordnung, aber besser gewesen. Es ist der bescheuerte Vorwurf des Antisemitismus, der mich mit Butlers eigenem jüdischen Hintergrund argumentieren lässt.

@Arnold Voss: Verstehe ich das jetzt richtig: Wenn jemand einen an und für sich nachvollziehbaren und logischen Text zur Finanzkrise schreiben würde und – sagen wir mal – in einer Fußnote komplett unironisch und ernst gemeint sowas schreiben würde wie “aber vermutlich ist an der Krise auch einfach nur die jüdische Weltverschwörung schuld”, dann würde das die Glaub- und Vertrauenswürdigkeit des Textes nicht unterminieren, weil es ja nur in einer Fußnote steht? Interessant…

Würde diese Frau in Israel. oder in USA einen Preis bekommen. ginge mich das vermutlich gar nichts an. Aber sie bekommt den Preis nun mal in Deutschland von eiener deutschen Jury.
Weil das so ist, geht mich das auch etwas an.
Frau Butler ist Amerikanerin. Sie ist keine israelische Staatsbürgerin, soviel ich weiß. Wäre sie israelische Staatsbürgerin, ginge mich ihre Meinung zu Israel nichts an.
Sie ist aber Amerikanerin. Ob sie einer Religionsgruppe angehört, in dem speziellen Fall also Jüdin ist, mag für sie selbst eine Bedeutung haben, wenn sie betet.
Dann geht mich das wieder mal nichts an.
Sie wird aber, weil sie Jüdin ist, eine stärkere Beziehung zu Israel haben, als die meistens Nichtjuden, abgesehen von den Nichtjuden, die in Israel leben.
Sie lebt aber selbst nicht in Israel. Das ist wichtig für meine beurteilung ihrer öffentlich bekundeten Ansichten, die hier in Deutschland mit einem Preis ausgezeichnet werden sollen.
Ich bin bezüglich ihrer Ansichten über die Hamas der Auffassung, dass das, was sie gesagt hat, innerhalb Deutschlands gelegentlich zur heftigsten politischen Ablehnung geführt hat. Das aber ist dann, wenn diese Preisvergabe nicht kritisiert wird, hier in Deutschland hoffähig.
Wer das nicht will dass jeder, der sich zur Hamas bekennt, oder zu dem Israelhasser Ahmadinedschad, dann offen sagen kann, was er immer schon mal sagen wollte, sich aber nicht getraut hat, sich dann aber auf die Preisträgerin Judith Butler berufen kann, der muß jetzt diese Preisverleihung kritisieren.
Langer Satz, kurzer Sinn.
Ich finde, Jüdin hin, Jüdin her, sie kann nicht als Einwohner Israels sprechen.
Nicht mit dem gleichen Recht. Damit kann sie aber durchaus als Gegnerin Israels gerechnet werden. Warum nicht?

@ Ben
Ich verspreche, dass ich ihre Texte in Zukunft entspannter lesen werden. 🙂

Aber “postrukturalistisch Manikürte” und “Identitätsfasching” können sie nicht mit der “jüdische Weltverschwörung” gleichsetzen. Das eine ist (vielleicht nicht besonders kluge) Polemik, das andere ist dümmste Verschwörungstheorie.

@#36, Helmut, ist es wirklich so schwer zu verstehen? Den Adornopreis der Stadt Frankfurt gibt’s zur Anerkennung herausragender Leistungen in den Bereichen Philosophie, Musik, Theater und Film, also nicht für „öffentlich bekundete Ansichten“, schon gar nicht für solche zur israelischen Regierungspolitik. Im übrigen „bekennt sich“ Butler auch nicht zu Hamas und sie macht auch keinerlei Versuche, als „Einwohner Israels zu sprechen“. Sie ist auch keine Gegnerin Israels; wer z.B. gegenwärtig das Putin-Regime kritisiert, ist auch kein Gegner Russlands.

Dass Butler die israelische Politik besonders kritisch sieht, nicht zuletzt, weil ihr, Butler, bestimmte jüdische Traditionen besonders wichtig sind, die von anderen jüdischen Gruppen (oder ihren deutschen Interpreten) wahlweise als “melancholisch”, “fürsorglich” oder “todessehnsüchtig” apostrophiert werden, mag man ärgerlich oder falsch finden; der „Antisemitismus“, der ihr angehängt werden soll, zeigt jedoch letztlich nur, wie sehr dieser Begriff mittlerweile unbrauchbar zu werden droht.

@DH,
es ist einfach so, dass Preise für Leistungen im geisteswissenschaftlichem Bereich zunehmend politisch werden.
Denk mal an diverse Dissidenden, die ausgezeichnet wurden. Literaturpreise für Autoren, die nicht mal Fachleute vorher kannten, weil sie vorher nur knapp 200 Bücher verkauft hatten.
Darum habe ich mittlerweile eine Abneigung entwickelt, solche Preisverleihungen überhaupt ernsthaft zur Kenntnis zu nehmen.
Man, wer auch immer, macht damit Politik, Dirk!
Ich bin mißtrauisch.
Das war auch in meinem Kommentar 36 mein Hauptansatz.

Dazu kommt, dass es vielleicht 1000 vergleichbar qualifizierte Kandidatinnen gegeben hätte.
Mir kann auch niemand erzählen, dass bei der Kandidatenkür die Gesamtpersönlichkeit keine Rolle spielt.
Dann möchte ich noch einmal betonen, dass ich sie wegen ihrer bekannten Äußerungen nicht in eine Schublade gesteckt habe, etwa mit den Etikett “Antisemitin”, sondern einfach nur Befürchtungen habe, dass diese Kandidatin geeignet wäre, wegen ihrer Gesamtbiographie, andere Personen zu ermuntern, sich genau diesen Aspekt herauszusuchen, und praktizieren. Aspiranten Mangelware? Neh, massig.
Ich sehe im Kreis der Juroren eine absichtliche Entscheidung, die einer Erklärung bedarf. Jedenfalls werde ich mit einer Laudatio, die diese strittigen Punkte nicht anspricht, kaum zufrieden sein.
Der traurige Witz ist doch leider der, dass wir mitten in der Gesellschaft immer offener die fürchterlichsten Denkstrukturen finden.
Man muß kein Verschwörungstheoretiker sein. Fakten gibt es genügend.
Deshalb mein Einwand gegen diese Preisverleihung an diese Person in diesem Land, ohne dass ich diese Person wirklich kennen muß.
Denn das, was ich gelesen habe, macht sie für einen Preis in Deutschland unbrauchbar.

@#39:
„Deshalb mein Einwand gegen diese Preisverleihung an diese Person in diesem Land, ohne dass ich diese Person wirklich kennen muß.
Denn das, was ich gelesen habe, macht sie für einen Preis in Deutschland unbrauchbar.“

Helmut, Deine Replik ist ein weiteres schönes Beispiel dafür, wie ein herbei geschriebener, aber de facto unhaltbarer „Antisemitismus“-Vorwurf dann doch die „Gesamtpersönlichkeit“ (in diesem Fall Butlers) zu diskreditieren in der Lage ist. Die „Gesamtpersönlichkeit“ Butlers, für einen Preis in Deutschland (!) „unbrauchbar“? Du wirst beim nochmaligen Lesen sicher selbst merken, was für ein gruselig-chauvinistisches Zeug Du da geschrieben hast.

Dirk, wie könnte ich in dieser Frage solch eine Gegenposition beziehen, ohne dass Deine Analyse solch ein “gruselig-chauvinistisches Zeug ” aufdeckt?

Ich erkläre ausdrücklich, dass ich nicht den Antisemitismusvorwurf mache,
aber Du findest ihn doch aus meinem Gesamtzusammenhang heraus.
Ja toll. Du findest, was du suchst. In den Wissenschaften führt das oft zu Fehlschlüssen.
Wenn du mich jetzt dazu bringst, dass ich meinen Kommentar verteidige, also in die Defensive gehe, hast du die Diskussion gewonnen.
Aber weißt Du was, ich laß das so stehen. Natürlich in der Hoffnung, dass Dritte, die sich noch nicht so festgebissen haben, wie Du, diesen kritisierten Kommentar unvoreingenommen lesen.
Weicher kann ich nicht den Sachverhalt beschreiben, dass dieser Judith Butler Sätze zugeschrieben werden, die sie hier in Deutschland zu einer umstrittenen Figur machen. Das zeigt der Artikel, das zeigt der Diskurs hier, das kannst du der Berichterstattung in den Medien entnehmen.
Umstritten heißt nicht verurteilt.
Ich würde ihr diesen Preis nicht geben. Vorsichtshalber. So, jetzt hast Du wieder ein Wort: “vorsichtshalber”. Das erscheint dir wahrscheinlich wie “Vorverurteilung”
Ich stelle mir gerade Deine Replik vor. Am besten ich schreibe sie gleich selbst.

@ DH #38 #40

bitte korrigier mich … ich möchte so gern Unrecht haben … mein (hoffentlich falscher) Eindruck:

es ist irgendwie “hip” geworden, andere des “Antisemitismus” zu beschuldigen, denn so kann man sagen: “Wir sind die Guten!”

Wenn man zu den Guten gehört, fällt es einem natürlich umgekehrt leicht, folgendes NICHT als “Antisemitismus” zu verstehen:

„Das Judentum als solches hat sich aber längst ausgelebt, hat keine Berechtigung des modernen Völkerlebens, und daß es sich dennoch erhalten hat, ist ein Fehler der Weltgeschichte, dessen Folgen nicht ausbleiben konnten. Wir meinen hier nicht die Formen der jüdischen Religion alleine, wir meinen vorzüglich den Geist des Judentums, die jüdische Denkweise.“

@#41, Helmut, ich hab’ schon verstanden, dass Du den Antisemitismusvorwurf vermeidest, aber Du räumst selbst ein, dass es genau dieser herbei geschriebene Antisemitismus-Vorwurf ist (Du nennst das: „Das zeigt der Artikel, das zeigt der Diskurs hier, das kannst du der Berichterstattung in den Medien entnehmen.“), der die Person Butler für Dich als Preisträgerin in Deutschland „unbrauchbar“ macht. Das war der Punkt. Es könnte helfen, einfach mal in Ruhe das zu lesen, was Butler schreibt, und nicht nur das, was andere im Gestus der Empörung Butler „zuschreiben“ (der Begriff trifft die gängige Praxis ganz gut).

@#42, Andreas: Steiner (und Steiner und Herzl und Steiner und die Anfänge der Zionistenbewegung) – das ist dann doch noch eine andere Baustelle. Ein anderes Mal vielleicht.

@ DH #44

KEINE “andere Baustelle”: die Dauerempörten, die anderen vorwerfen, “Antisemiten” zu sein, haben selber gar kein Problem damit, eine antisemitische Organisation finanziell zu unterstützen

Der Preis wird tatsächlich am 11. September an Frau Butler verliehen? Da kann man nur sagen: perfektes Timing…

Mit einem gewissen intellektuellen, nicht moralischem Ekel, nehme ich diese doch geistig ziemlich tiefgelegte “Kritik” an der Preisvergabe wahr. Weder entblöden sich einige Kommentatoren hier, die Sprache des LTI zu benutzen, indem Sie die Kategorie der “Brauchbarkeit” von Menschen im Sinne völkischen Interesses wieder inthronisieren, noch der Zentralrat der Juden, der heuer von der “moralischen Verworfenheit”, ganz auf der Linie und in bester Tradition des Sprachgebrauchs von Diktaturen, Judith Butlers schäumte. Ich spreche da einfach mal für mich diesem dummen Niveau der Kritik jede intellektuelle Urteilsfähigkeit ab. Und die moralische können Sie doch Bitte und gerne für sich behalten. Es wäre ja noch schöner, wenn ein Philosophiepreis in der Vergabe sich heuer nach den Massstäben aufgesetzer Masken von Nibelungentreue Israel gegenüber zu richten hätte. Adorno würde sich wohl im Grab umdrehen. So weit sind wir dann ja doch noch nicht.
Also moralischer werden, scheinheiliger sein, wie es so unschön aus diesen Kommentaren hervorgeht.

@Annegret (47)
wer nicht lesen kann, ist vermutlich immer im Recht, weil doch dann jede Aussage so gelesen wird, wie gewünscht. Dann kann man natürlich auch jederzeit die dazu passenden Schlußfolgerungen ziehen.
Falls Sie mal zu einem Vorstellungsgespräch müssen, weil Sie einen Job suchen, falls Sie überhaupt jemals so etwas machen mußten, wüßten Sie, dass die “Brauchbarkeit von Menschen” täglich tausende Male zum Gegenstand der merkwürdigsten Ddiskussionen geworden ist.
Sie sind einfach nicht von dieser Welt, wenn Ihnen dieser Begriff intellektuell zu flach, Sie sagen sogar “zu tief” angelegt ist. Obwohl das eher das Gegenteil dessen bedeutet, was sie sagen wollten. Wissen Sie nicht. Ist auch nicht weiter schlimm. Tief angelegte Gedanken sind vermutlich nur selten in Ihrer Umgebung ausgesprochen worden.
Im Zusammenhang mit einer Ehrung in Form einer Preisverleihung ist der Begriff Brauchbarkeit treffender, als manche Form von Heuchelei, die dann entsprechend auch zur Würdigung eines anderen Kandidaten führt.
Ich denke, wir brauchen solche Preisträger nicht.
Vermutlich sind Sie nach dieser Aussage der gegenteiligen Auffassung, dass wir sie doch bräuchten, weil wir doch nach Ihren Ausführungen:
” noch nicht so weit sind, dass wir uns in aufgesetzter Nibelungentreue Israel gegenüber die Preisträger aussuchen müßten.”
Zitat ist etwas verkürzt zusammengefaßt. Dafür möchte ich mich vorab entschuldigen.

So ist es, der Generalsekretär des Zentralrats der Juden in Deutschland spricht tatsächlich von der „moralischen Verderbtheit“ Judith Butlers, die ein – selbstverständlich – moralisch nicht gefestigtes Kuratorium nicht habe erkennen wollen.

Und das, was Gulliver (#46) als perfektes Timing empfindet, hat die Szene auch schon, in fester Moral, entsprechend bebildert:
http://medforth.files.wordpress.com/2012/08/butler11.jpg

Dass die Preisverleihung schlicht und einfach an Adornos Geburtstag stattfindet, ist da nur noch eine, den eigenen moralischen Praecox störende Information.

@#48, Helmut, ein wenig Selbstkritik ob Deiner Formulierungen, anstatt Annegret über “flach” und “tief” belehren zu wollen, das wäre kein Zeichen von Schwäche.

@DH, Deine Argumente waren bisher nicht leicht zu toppen, aber selbst sie haben mich nicht überzeugt.
Als ich dann indirekt so dämlich angepißt wurde, schoß mir das Blut ins Gesicht.
Das führt überhaupt nicht zu irgendeiner Form der Selbstkritik bei mir.
Ich habe mich gefreut, dass die Antwort über die “Belehrung” so einfach war.
Ich bereite mich auf eine Ausstellung vor, und Freitag ist letzter Termin, wenn ich die Sachen selber hin bringe. Ich stzr mich nur an den computer, wenn ich eine Pause brauche.
Und wenn ich so einen Kommentar lese, wie den von @annegret, suche ich mir die Schwachstellen heraus. Mehr Zeit hab ich im Moment nicht,
Für Dich, der Du ein kompliziert diskutierender Mensch bist, schon gar nicht.
Ich müßte jetzt erst mal was von, nicht über, diese Frau lesen.
Dirk, geht nicht. Mache ich bestimmt später, erst recht nach der Laudatio.

Zu Herrn Junge nur kurz – Ich lese mit einigem Wohlwollen Ihre wohlwollenden Worte zu meinem Berufsleben. Ansonsten kann ich zu Ihrem einzigen ernstzunehmenden Argument zur Verteidigung Ihrer Phrase von der Brauchbarkeit nur sagen, das es im Sinne meiner Unterstellung einer Sprache des LTI doch wohl eine recht dünne

Leider brach das iphone hier ab…
Verteidigung ist, auf den allgemeinen Gebrauch derselben zu Verweisen. Das war zu Zeiten des LTI nicht anders. In meinem sicher jeder Wirklichkeit enthobenen Umfeld höre ich das jedenfalls nicht. Aber ich bin auch schon lange nicht mehr bei einem Einstellungsgespräch gewesen

@ DH

“Intellektueller Ekel”, “aufgesetzer Masken von Nibelungentreue Israel gegenüber”,
“Sprachgebrauch von Diktaturen” usw.

Dieser “Annegretsche” Überlegenheits-Duktus steht in diesem Falle der moralischen Besserwisserei des Zentralrats der Juden, wenn auch mit umgekehrten Vorzeichen, in Nichts nach.

Ich verabschiede mich hiermit, denn für mich gibts hier nichts mehr zu diskutieren.

@#50, Helmut, was Du sagst ist folgendes: Die Debatte ist mir grad’ zu kompliziert und die Muße, irgendetwas von Judith Butler zu lesen habe ich auch nicht, aber für ein umfassendes Urteil über Judith Butler und ihre für Preise in Deutschland unbrauchbare Gesamtpersönlichkeit reicht die Zeit dann doch.

@#53, Arnold, na, das wirkt jetzt arg bemüht und scheinheilig; die Debatte war bereits mit dem Eingangsposting so widerwärtig, wie solche Debatten leider immer sind. Ich insistiere bei dieser Anti-Butler-Kampagne deshalb so sehr, weil sie das immergleiche Verfahren so deutlich werden lässt. Das bisherige Ergebnis: Da wird eine radikaldemokratische jüdische Intellektuelle vom hiesigen Zentralrat der Juden zur moralisch verdorbenen Person erklärt; eine Kulturlosigkeit sondergleichen.

Und die Konsequenzen zeigen sich nun eben auch noch in einer beginnenden Kampagne gegen das Jüdische Museum in Berlin, weil dort wenige Tage nach der Preisverleihung ein Gespräch zwischen Judith Butler und Mischa Brumlik angekündigt ist, das Jüdische Museum also dieser „verdorbenen Person“ auch noch eine Bühne bietet. Da ist intellektueller Ekel eine durchaus verständliche Gemütsregung, v.a. aber sollte man sich ernste Sorgen machen, wie Leute vom Schlage Krämers jüdischen Traditionen jedwede Integrität absprechen.

Ja, wir beenden die Debatte einstweilen, und zwar mit etwas, das diese jüdischen Traditionen zumindest mal im O-Ton Butlers aufscheinen lässt:
http://www.haaretz.com/news/judith-butler-as-a-jew-i-was-taught-it-was-ethically-imperative-to-speak-up-1.266243

@DH(54)
Richtig Dirk, ich habe zwar nicht von ihr Geschriebenes, sondern nur über sie Geschriebenes gelesen.
Das ist normal. wir alle bilden uns unsere Meinung über Sekundärliteratur.
Auch Du. Oder hast Du schon mal etwas gelesen, was Jesus selbst geschrieben hat? Aber eine Meinung über ihn hast Du vermutlich. Buddha? Allende? Nero?
Unzählige Beispiele gäbe es. Wenn Dich das interessiert, erweitere ich diese Liste.

Helmut, sollen wir jetzt das Veröffentlichungsverzeichnis von Jesus mit dem von Judith Butler vergleichen? Das wird eine recht einseitige Angelegenheit (-:

Lass gut sein, wir sind durch hier.

@ DH

Nein Dirk, so kommst du hier nicht davon. Was war an meinem Eingangsposting widerwärtig? Widerwärtig ist ein ziemlich starke Aussage die bislang noch Niemand hier zu einem meiner Postings losgelassen hat. Da habe ich das Recht, zu erfahren, was genau daran in deinen Augen, nicht wohlmöglich sachlich falsch, sondern w i d e r w ä r t ig war?

@Helmut: Normal ist, dass man sich mittels Sekundärliteratur eine Meinung über eine Person bildet, wenn keine Primärliteratur vorhanden ist. Dann ist einem, oder zumindest rational denkenden Menschen, aber auch bewusst, dass man sich nur annähern kann, Mutmaßungen und subjektive Texte liest. Bei der Bewertung einer Person wie Butler aber spielt auch die Primärliteratur eine zentrale Rolle. Sie einfach auszublenden ist mindestens ignorant, wenn nicht gleich dumm.

Mal so als alternatives Beispiel: Michel Foucault war ein promiskuitiver Schwuler, der sich in der SM-Szene herumgetrieben hat und an AIDS gestorben ist. Das kann man in der Sekundärliteratur über ihn lesen und nicht wenige leiten daraus gewisse Vorbehalte ihm gegenüber ab. Zu einer verlässlichen Einschätzung Foucaults taugt das jedoch nicht, denn Sekundärliteratur ist oftmals weit weniger subjektiv als man gemeinhin annimmt.

Sich auf Basis dessen, was andere über eine Person schreiben, eine Meinung über diese Person abzuleiten, obwohl all die Texte und Aussagen der Person für eine selbstständige Meinungsbildung in greifbarer Nähe sind…? Das kannst Du doch nicht wirklich ernst meinen!

Äh, ja, Fehlerteufel galore:

Der Satz “Zu einer verlässlichen Einschätzung Foucaults taugt das jedoch nicht, denn Sekundärliteratur ist oftmals weit weniger subjektiv als man gemeinhin annimmt.” sollte eigentlich so lauten:

“Zu einer verlässlichen Einschätzung Foucaults taugt das jedoch nicht, denn Sekundärliteratur ist oftmals weit weniger objektiv als man gemeinhin annimmt und die persönlichen Vorbehalte vermengen sich mit der kritischen Auseinandersetzung mit der Primärliteratur”.

Ich hoffe, das ist jetzt verständlicher. 😉

Ok. Machs gut!

Sorry, aber ich kanns mir nicht verkneifen: Eine Radikaldemokratin die zum Boykott andersdenkender (israelischer) Wissenschaftler und Akademiker aufruft ist keine Radikaldemokratin.

Arnold, über Sinn und Unsinn der BDS-Bewegungen sprechen wir gerne ein anderes Mal. Bis dahin gilt meine Empfehlung auch für Dich: Lieber Texte von Butler als über Butler lesen! (-:

“I do support the Boycott, Divestment, and Sanctions movement in a very specific way. I reject some versions and accept others. For me, BDS means that I oppose investments in companies that make military equipment whose sole purpose is to demolish homes. It means as well that I do not speak at Israeli institutions unless they take a strong stand against the occupation. I do not accept any version of BDS that discriminates against individuals on the basis of their national citizenship, and I maintain strong collaborative relationships with many Israeli scholars. One reason I can endorse BDS and not endorse Hamas and Hezbollah is that BDS is the largest non-violent civic political movement seeking to establish equality and the rights of self-determination for Palestinians.”

http://mondoweiss.net/2012/08/judith-butler-responds-to-attack-i-affirm-a-judaism-that-is-not-associated-with-state-violence.html

@Ben (58)
Ben, was ist hier eigentlich los?
Die AnhängerInnen von Judith Butler betreiben aus meiner Sicht Meinungsterror.
Du läßt mir keine Alternative. Entweder bin ich ignorant oder dumm, wenn ich ihre Arbeiten nicht lese.
Natürlich will ich nichts von beiden sein, keine Frage. Also heißt das: lies, oder du weißt schon.

Warum bin ich euer Attackenopfer? Weil ich gesagt habe, daß ich diese Woche keine Zeit habe mir Originalschriften von dieser Person durchzulesen?
Weil ich es wage, bis zu einem endgültigen Urteil, nach dem Lesen des Originals, meine ablehnende Haltung erst mal nicht zu korrigieren?
Mittlerweile fürchte ich, dass ihr durch das Lesen von Judith Butlers Originalschriften so verbohrt werdet. Das habt ihr nämlich alle gemeinsam.
Ihr habt was von ihr gelesen. Ihr seid alle unduldsam.
Ihr kommt mir genau so vor, wie der, der uns alle, die nicht an seinen Jehova glauben, mit dem Verlust des Himmelreichs droht.
So und jetzt zu Deiner Ansicht, dass man, wenn es möglich ist, die Originalliteratur zu lesen.
Ben, ich habe immer so viele Bücher gelesen, wie es ging. Einiges, sehr viel einiges war da trotzdem leider nicht dabei. Das bedauere ich immer wieder. Ich ahbe immer einen Stapel Bücher um meinen Sessel herumliegen, aber es kommen immer wieder neue Bücher dazu. Da muß ich schon eine Auswahl treffen.
Und das mache ich normalerweise selbst nach meiner jeweiligen Interessenlage.
Judith`s Themenspektrum ist aber zur Zeit nicht dabei.
Trotzdem bin ich als Mensch an allem, was um mich herum vorgeht, manchmal sogar lebhaft interessiert und muß m.E. auch oft Stellung beziehen.
Hast Du eigentlich die letzte Rede von Mitt Romney gelesen? Von Putin?

@Helmut: Nö, es hat einfach mit deiner Einstellung zu tun, die sich auf folgendes reduzieren lässt: “Ich hab zwar selber null Ahnung von der Frau, aber alle, die über sie schreiben, die werden schon irgendwie Recht haben”. Das ist unaufgeklärt. Und das ist vor allem auch noch bewusstes Verharren in einer unaufgeklärten Welt. Und es ist arrogant. Ich maße mir auch keine Meinung über irgendjemanden an, von dem ich noch nie etwas gelesen oder den ich noch nie habe sprechen hören. Ich beharre nicht auf Einschätzungen zu Menschen, die sich aus Hörensagen und Interpretationen ableiten.

Warum bist du nicht so ehrlich und sagst “Also ich habe jetzt das und das gelesen und das deutet alles darauf hin, dass Frau Butler vielleicht nicht so supertoll ist, aber abschließend kann ich das nicht beurteilen, denn dazu fehlen mir die letzten Bausteine”. Wo ist das Problem sich einfach einzugestehen, dass man zu dieser Diskussion nicht mehr beizutragen hat als “ja, kann sein; das was andere schreiben, klingt für mich schlüssig, aber so ganz weiß ich es auch nicht”? Nur weil Du hier unbedingt eine Position beziehen willst?

Ich habe von Romney nur wenige Reden gehört und Teile seines Programms auch nur am Rande mitbekommen. Zu wenig, um eine Position haben zu können. Das gebe ich offen zu. Übrigens auch ein Grund, warum ich bei den Romney-Segmenten der DAILY SHOW momentan eher verhalten lache – weil ich nicht einordnen kann, ob das alles so auch korrekt ist. Zu Putin und z.B. der Pussy Riot-Geschichte wirst Du von mir auch keine Äußerungen finden, denn auch da habe ich zu wenig mitbekommen um mir eine Haltung anmaßen zu können.

Es ist eines der zentralen Probleme des Internets: Jeder hat eine Meinung und die will er auch zwanghaft kundtun, aber die wenigsten Meinungen fußen auf Fakten, Analysen und eigenständigem Denken, sondern sind Reproduktionen dessen, was einem andere vorkauen.

Ich will Dir nicht in Abrede stellen eine Meinung zu Butler zu haben und die hier auch zu äußern. Mir will nur eben nicht in den Sinn, warum man einen Menschen kritisieren will, über den man nur das weiß, was andere über diesen Menschen schreiben.

Mensch, Helmut, jetzt werd’ doch nicht albern: Du hast Dich zu einem Urteil über Judith Butler, ihre Persönlichkeit, ihre Preiswürdigkeit verstiegen, und zwar ohne überhaupt etwas von ihr gelesen zu haben – und jetzt, wo Du genau dafür kritisierst wirst, inszenierst Du Dich auch noch als Opfer von Meinungsterror verbohrter Butler-Groupies. Den Jesus, die Jehova, das Himmelreich – all das bringst Du ins Spiel, niemand anders.

Helmut, Dir ist nichts passiert, gar nichts, es gibt hier nur ein paar Menschen, die Dich und das von Dir Geschriebene so Ernst nehmen, dass sie sich die Mühe machen, Dich dafür kritisieren. Das ist alles.

@DH 66
mit den letzten Absatz hast Du mir, ohne es zu ahnen, immerhin ein nettes Geburtstaggeschenk gemacht.

@ DH # 62

Ich habe nicht nur über sondern auch Judith Butler selbst gelesen.Schon als sie hier im Lande noch kaum einer kannte. Vor allem das was ihr Geschlechterdenken betrifft. Es war abzusehen, dass sie einmal zur großen Prophetin der neuen Androgynität, bzw. der allgemeinen Sehnsucht danach, werden würde. Ich war allerdings nie ein Fan von ihr. Aber auch nicht einer von Adorno. Leute die Jazz nicht wirklich für Musik halten, sind mir nun mal grundsätzlich suspekt. 😉

@DH66,
viel Zeit hatte ich bisher noch nicht, um mich bei Judith Butler selber einzulesen.

Eigentlich interessiert hier auch nur der Aspekt, ob sie aus meiner Sicht für einen Preis in Deutschland geeignet ist, oder nicht, wie ich schrieb.
Die diskussion ist allerdings weiter gegangen und heftiger geworden, denn der Zentralrat der Juden in Deutschland hat sich negativ über Frau Butler geäußert: “Es sei empörend, dass in Butler ausgerechnet jemand geehrt werde, der zum Boykott gegen Israel aufrufe und Organisationen wie Hamas und Hisbollah als legitime soziale Bewegungen bezeichne, erklärte Generalsekretär Stephan J. Kramer”

Nun, ich hatte davor einige Artikel zu Frau Butler gelesen, in denen sie selbst zu Wort kam, und auf die ihr gemachten Vorwürfe zu sprechen kam.

In der Reaktion auf Kramers Angriff sie sagt u.A.:

“Kurzum, ich verstehe die Vorbehalte in Deutschland und dass hier die erste und wichtigste Frage lautet, ob sich hinter der Kritik an Israel nicht eine Form des Antisemitismus verbirgt. Ich glaube allerdings, dass ich eine andere Fragestellung in die Debatte einbringe:”
Auch sagt sie:
“In diesem Zusammenhang möchte ich auch noch einmal auf meine Haltung gegenüber der Frage nach einem Boykott Israels zu sprechen kommen. Auch hier habe ich mich bereits deutlich erklärt: Ich unterstütze die Initiative „Boycott, Divestment and Sanction“ (BDS) nicht ohne Vorbehalte. Zwar arbeite ich nicht mit israelischen Institutionen zusammen, die sich nicht gegen die israelische Besatzungspolitik aussprechen. Anders als der BDS lehne ich aber die Diskriminierung einzelner Personen aufgrund ihrer Staatsangehörigkeit ab.”
Den ganzen Artikel kannst du selber lesen in der FR

http://www.fr-online.de/kultur/judith-butler-fangen-wir-an–miteinander-zu-sprechen,1472786,17019694.html

Fazit: Ich blebe bei meiner anfänglichen Auffassung, dass Frau Butler für eine solchen Preis in Deutschland nicht geeignet ist. Ich schrieb “unbrauchbar”, was ich aber im gleichen Sinne gemeint hatte.
Mir reicht es nicht, wenn sie die gegen sie erhobenen Vorwürfe präzisiert.
Es kommt doch nichts anderes heraus, als das, was ich vorher verstanden habe.

Wenn ich das richtig verstanden habe, bleibt sie bei der Unterstützung

@Helmut, den FR-Artikel kenne ich natürlich. Wie man aber nach dessen Lektüre (als letztlich Unbeteiligter wie Du) immer noch ernsthaft der Meinung sein kann, sie wäre für einen Preis in Deutschland unbrauchbar, das muss ich wohl unter „mysteriös“ verbuchen. Sie lässt in diesem Artikel ein Problemverständnis, eine Fähigkeit zur Selbstkritik und ein Maß Diskussionskultur erkennen, von dem alle ihre Kritiker, allen voran Kramer, meilenweit entfernt sind.

Dirk, mysteriös ist nach Deiner Replik jetzt für mich wiederum, dass Du dich nicht an dem Satz störst:” Ich unterstütze die Initiative „Boycott, Divestment and Sanction“ (BDS) nicht ohne Vorbehalte. Zwar arbeite ich nicht mit israelischen Institutionen zusammen, die sich nicht gegen die israelische Besatzungspolitik aussprechen.” So, wie sie ausgrenzt, grenzt sie fast alle aus. Das richtet sich nicht gegen die Regierung, sondern sogar gegen Wissenschaftskreise, die sich nicht an ihre Rahmenbedingungen halten. Für mich ist das weit mehr als ein harter Brocken.

@Helmut, der Sinn von Boykotten ist es, politischen und ökonomischen Druck zu entwickeln. Ein Boykott, der nicht weh tut, ist für die Katz’. Und Du liest es ja: von ihrem persönlichen Boykott sind Institutionen betroffen, i.d.R. staatliche Institutionen, nicht Individuen. Butler will einfach nicht Teil einer Wissenschaftspolitik sein, die so tut bzw. so tun möchte, als seien die bestehenden Verhältnisse in Israel und Palästina „normal“. Sie sagt klar, da spielt sie nicht mit und arbeitet nur mit den Institutionen zusammen, die ihre diesbezüglichen Ziele (z.B. Ende der Besatzungspolitik) teilen; mit den anderen streitet sie oder bekämpft sie mit den ihr zur Verfügung stehenden akademischen Mitteln. Daran stört mich gar nichts.

@DH,
ich empfinde Boykotts als halbkriegerische Aktionen, wobei das Schwert oft keinen Griff hat, sondern nur eine durchgehende Klinge.
D.h. man verletzt sich leicht selbst.

@Ben,
wegen Deinen Anmerkungen habe ich mich mittlerweile auch mit der Genderforschung beschäftigt. Da kommt man nicht dran vorbei, wenn man sich mit Judith Butler auseinandersetzen soll.
Falls Du Anhänger der Gendertheorie bist, wird dir allerdings nicht gefallen, was ich mir dazu überlegt hatte, bevor Stefan Laurin den Hinweis auf “The Gender Equality Paradox” eingestellt hatte. Weil es aber gut paßte, habe ich einen Teil meiner Gedanken dazu schon dort reingeschrieben.
Zeitlich ist es so, dass ich über das Thema diskutiert hab, als Frau Butler noch die Schule besucht hat.
Die Diskussion war damals doch sehr interessant, weil es um die Antwort auf die Frage ging, ob wir alle Unterschiede der Geschlechter auf biologische Vorgaben zurückzuführen haben, oder ob wir sie uns anerziehen. Die möglichen Antworten auf diese Frage sind wichtig für unsere Verständnis von uns selbst.
Ich hatte auf “vorgegeben aber in großem Maße veränderbar” getippt.
Andere, eben die Genderanhänger waren der Meinung, dass die Geschlechtunterschiede durch kulturelle Einflüsse anerzogen würden, dass sie also gar nicht existierten.
Die Diskussion wurde emotional und ich habe mich deshalb nie wieder darum gekümmert. Darum habe ich auch von der Existenz der Judith Butler erst durch die Diskussion erfahren. Sie hat sich, vielleicht schon als Schülerin, vielleicht auch erst später, zu einer Genderanhängerin entwickelt. Jedenfalls habe ich mich nie mit ihren Arbeiten befaßt, habe aber die Ergebnisse der Experimente mit Kindern, und vor allem in meiner Erinnerung, den Experimenten mit jungen Schimpansen, gut verfolgt. Ich wußte allerdings nicht, dass dies indirekt mit den Arbeiten von Butler zusammenhing.
Die Wissenschaft geht weiter, und das Experiment ist die wichtigste Fragestellung des Menschen an die Natur.
In der Philosophie ist wichtig, dass ein Gedankengebäude in sich selber geschlossen und widerspruchsfrei zu sein hat.
Das wird bei Butler so sein. Da bin ich sicher.
Solange der Diskurs also innerhalb der Sphäre der Philosophie und ihrer verwandten Gebiete verläuft, wird ihr Ansatz kaum angefochten werden.
Nun gibt es aber andere Wissenschaften. Und mit diesen Wissenschaften kann man nicht so umgehen, wie mit einer gegnerischen philosophischen Schule.
Die arbeiten mit anderen Methoden, die anders diskutiert werden müssen.
Galiläo hat noch die hohen Herren gebeten, selbst durchs Fernrohr zu gucken und die Jupitermonde zu betrachten, und diese hohen Herren haben diese gesehen, ihm aber gesagt, dass sie der Theorie widersprechen, und ihn gezwungen seine Behauptungen zu widerrufen. Heute läuft das anders. Entscheidend ist das Ergebnis des Experiments, und die Bestätigung durch ein Gegenexperiment. Soweit ich das beurteilen kann, hat es beides gegeben, und in beiden Fällen ist von den daran maßgeblichen Wissenschaftlern gesagt worden, das es ein geschlechtsspezifisches Verhalten bei Menschen und Schimpansen gibt, dass angeboren ist.
Damit ist die Gendertheorie tot.
Aber Frau Butler bekommt den Adornopreis nicht für die Gendertheorie, sondern für ihr Lebenswerk.

Ich bin ehrlich gesagt ein wenig zu müde, um mich jetzt damit adäquat auseinander zu setzen, aber ich will zumindest so viel dazu sagen: Erstens finde ich es toll, dass Du ein bisschen Butler nachgeholt hast, zweitens stimme ich Dir teilweise zu. Ich mag Butler sehr gerne, auch weil ich durch sie überhaupt erst damit angefangen habe, mich mit Geschlechterrollen und möglicher Konstruktion zu beschäftigen. Ich teile nicht jede ihrer Thesen, aber in vielen Fällen macht sie Fässer auf, über die es nachzudenken lohnt. Sie stellt Fragen, kluge Fragen. Alleine das ist schon eine große Leistung.
Die von Dir angesprochene Untersuchung mit den Schimpansen kenne ich nun wiederum nicht. Vielleicht mag sie grundsätzlich für Mann/Frau richtig sein, aber wir haben ja auch noch die dritten Geschlechter, also Trans- und Intersexuelle. Ob und wie viel eine Studie mit Affen darüber aussagt..?
Ebenso kann man bei Schwulen und Lesben Verhaltensmuster erkennen, die das gesellschaftlich korrekte geschlechtsspezifische Verhalten übermäßig ausleben, während andere sich komplett konträr dazu verhalten (die Tunten bei den Schwulen oder die lesbische “dyke”). Auch darauf gibt das tradierte Rollenverständnis (Butler) eine bessere Antwort als angeborenes Verhalten. Aber selbst das angeborene Verhalten widerspricht ja nicht komplett einer Butler, die auch wegkommen will von der Unterscheidung Mann/Frau, hin zu einer mehrdeutigen Vorstellung von Geschlecht. Und aus einer Untersuchung mit Affen, die den kleinst möglichen Nenner untersucht, gleich einen Abgesang auf die gesamte Gendertheorie zu ziehen, halte ich auch für vermessen. Nur weil vielleicht ein gewisser Teil geschlechtsspezifischen Verhaltens angeboren sein mag, heißt das ja noch lange nicht, dass die gesamte Vorstellung von Geschlecht nicht doch ein Konstrukt ist.

Zumindest ich behaupte im Übrigen, dass es sehr wohl deutliche und vor allem natürliche Unterschiede zwischen den Geschlechtern gibt und dass deshalb auch die Gleichstellung in manchen besonders stressigen oder belastenden Berufen eher kontraproduktiv als vernünftig ist.

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