3 FÜR 7 – Festival-Special

Es gibt erstaunliche Festivals – teils erstaunlich simple Festivals. Manche haben nicht nur ein "Indie ist sexy, Jungs und Mädels"- oder "Pop/Rock lohnt sich nur bei großen Namen"-Konzept, sondern widmen sich bewusst einem bestimmten Musikstil, einem über Bekanntschaften und Geschäftsverbindungen entstandenen "Charakter" oder einfach mal der Förderung derjenigen jungen Bands aus der Stadt, die irgendwie vorzeigbar sind. Aktuelle Beispiele: Open Source, Ruhr Reggae Summer, Bismarcker Rocktage.

Es gibt erstaunliche Festivals – teils erstaunlich simple Festivals. Manche haben nicht nur ein "Indie ist sexy, Jungs und Mädels"- oder "Pop/Rock lohnt sich nur bei großen Namen"-Konzept, sondern widmen sich bewusst einem bestimmten Musikstil, einem über Bekanntschaften und Geschäftsverbindungen entstandenen "Charakter" oder einfach mal der Förderung derjenigen jungen Bands aus der Stadt, die irgendwie vorzeigbar sind. Aktuelle Beispiele: Open Source, Ruhr Reggae Summer, Bismarcker Rocktage.

Das schöne an der aktuellen wirtschaftlichen Situation für alle möglichen Jugendlichen der westlichen Welt ist ja, dass man sich mal wieder so richtig underdog-mäßig fühlen kann. Das dann manchmal entstehende Interesse für Musik als exotisch und gebeutelt empfundener Kulturen der Welt wurde schon zu den Zeiten von The Clash (aber nicht nur) dann gerne genommen, um sich als irgendwie nicht so offensichtlich einfach nur frustrierte, schlecht gelaunte white boys and girls darstellen zu können, sondern als voll pop-politisch und irgendwie auch kosmopolitisch. Generationen afrikanischer und jamaikanischer, asiatischer und osteuropäischer, jüdischer und arabischer Musiker tragen es mit Fassung. Auch den Ruhr Reggae Sommer? Nun, "Three Days of Love, Peace & Music" lautet der Untertitel, Top Acts sind Shaggy, Blumentopf, Mr. Vegas und Nosliw. Nunja.

Elektronische Musik als Standortfaktor für Deutschland hat seit Kraftwerk ja schon so einiges erlebt. Der Deutsche an sich kämpft mittlerweile gern damit, bloss nicht zu offensichtlich gerade, stumpfe Tanzmusik zu machen, erfindet technoide Musik natürlich gern alle paar Jahre neu und freut sich, wenn es wummert, fiept und klickt. Das wirbelt den Kopf schon manchmal ganz schön durcheinander, und irgendwie sind Disco und House ja auch immer wieder voll im Kommen, wenn sonst gerade mal nix ist. Recht vielfältig gibt sich in diesem Kontext ein Festival in Düsseldorf, das von seinen Top Acts (The Streets, Tocotronic) her durchaus massenkompatibel (im bestimmten Rahmen) daherkommt, aber vor allem wegen der Details überzeugt: Hauschka, Schneider TM (Foto: Open Source) und Hildur Gudnadottir geben ihr erstes gemeinsames Konzert. Prefuse 73 stellt neues Material vor. Stefan Schneider und Lena Willikens zeigen endlich mal einem größeren Publikum ihre eigene Mischung aus DJing und Live-Set.

Ganz anderer Ansatz in Gelsenkirchen-Bismarck: Massenhaft lokale Bands, die nicht in Magazinen stehen (oder bei Myspace was gewonnen haben). Das Musikprobenzentrum Consol4 macht quasi Tag der offenen Tür und lässt Namen wie Instead Of Dying, Die Verdurstenden Wasserträger, Ruhrstadt Soulprojekt und Breaking Day auf die Weltöffentlichkeit los. Natürlich viele harte Gitarren und kaum Frauen, das macht man hier halt so anscheinend.

Open Source, Ruhr Reggae Summer und Bismarcker Rocktage alle vom 24. bis 26. Juli.

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