Hannover-Berlin: wie mich SpOn zum lachen brachte

 

Chili con carne. Deutlich bekömmlicher als so manch Reisebericht. (Foto: Simon Ilger)
Chili con carne. Deutlich bekömmlicher als so manch Reisebericht. (Foto: Simon Ilger)

Während die Mobilitätsexperten von Spiegel Online bereits am Fahrkartenkauf scheitern und sich deshalb einerseits als beleidigte Leberwürste und andererseits als empörte deutsche Journalisten gerieren fuhr auch ich mal wieder mit der Bahn.

Ich will an die Ostsee, ins schöne Ostholstein, teils beruflich, teils privat. Mit dem IC aus dem Ruhrgebiet nach Lübeck und von dort mit dem Regionalzug weiter. Guter Plan, komfortabel, einmal umsteigen, fünf Stunden Fahrt. Für die ersten Aufreger sorgt die Bahn bereits als ich den Abfahrtsbahnhof noch nicht mal erreicht habe: ich habe etwas wichtiges vergessen, also muss ich zurück und bekomme den IC natürlich nicht mehr. Die Alternative mit gleicher Ankunftszeit an der Ostsee lautet ICE bis Hannover, dann ICE bis Hamburg, dann RE bis Lübeck. Zwei zusätzliche Umstiege mit sportlichen Umstiegszeiten, nur weil ich zuhause habe etwas liegen lassen. Danke Deutsche Bahn, danke Merkel!

Der ICE gen Hannover ist mittelmäßig gefüllt, ich bekomme keinen Platz mit Tisch. Langsam kommen erste Gedanken auf: der Staatskonzern will mich zermürben, willig machen, klein halten. Kurz vor Hannover bleibt der Zug auf freier Strecke stehen. Es gäbe einen technischen Defekt und diesen zu beheben würde einen Moment dauern. Ich sehe meinen Anschluss schwinden, da ich ohnehin nur sieben Minuten zur Verfügung gehabt hätte. Listig wie diese Bestie in Zuggestalt nunmal ist, fährt sie ja mit voller Absicht durch Gebiete ohne funktionierenden Mobilfunkempfang und ich kann mir keine Alternativverbindung raussuchen.

Plötzlich kommt ein Bahn-Mitarbeiter, “den kralle ich mir”, danke ich und ranze ihn an: “Wat is hier Ambach? Ich will anne Ostsee. Zackig!” Er sucht mir Alternativen raus. Entweder etwas Aufenthalt gleich in Hannover oder von Hannover direkt weiter mit einem anderen ICE nach Hamburg, dort etwas warten und dann mit dem EC der dänischen Kollegen nach Lübeck. Neue Ankunftszeit 20:51Uhr. Eigentlich geplante Ankunftszeit 19:52Uhr. Ha, die Vielfahrer von SpOn wissen sofort: exakt eine Minute zu wenig um vom Fahrgastrechteservicecenter keinen ablehnenden Bescheid zu bekommen. Aber nicht mit mir, ein einziger strenger Blick genügt und der Zugbegleiter kehrt unaufgefordert mit einem Fahrgastrechteformular zu mir zurück und bestätigt mir mit Zangenabdruck eine Verspätung von größergleich 60 Minuten.

Selbstverständlich entscheide ich mich für einen Aufenthalt in Hamburg und gegen Hannover, die BahnLounge in der Hansestadt ist schöner, außerdem gibt es dort Sandwiches, Bier und Wein. Der nächste Aufreger: da ist Cheddar auf meinem kostenlosen Sandwich, dabei mag ich Gouda viel lieber. Aber als Monopolist kann man sich ja so einiges erlauben. Gesättigt trete ich den Rest der Reise an. Sehr perfide seitens der Bahn, wissen sie doch, dass hungrige Fahrgäste deutlich schwerer zu bändigen sind als nicht hungrige. Sympathikus, Parasympathikus und so weiter. Ich erreiche mein Ziel mit exakt +59 Minuten und werde von meinem Gastgeber in Empfang genommen.

Nach ein paar schönen Tagen an der Ostsee wurde ich langsam nervös, die Rückfahrt stand an und ich sorgte mich, was die Bahn noch so alles geplant hat, um mir das Leben besonders schwer zu machen. Bis Hamburg geht es in Regionalzügen und alles läuft reibungslos. Hamburg Hauptbahnhof, BahnLounge, ich fordere das Schicksal heraus: erneut Cheddar auf dem Sandwich. Es ist unglaublich! Zum Glück kann ich dann gehen, natürlich nicht ohne noch ein zweites Glas Cola zu trinken. Ich will dem Laden schaden wo es nur geht. Es ist schließlich Krieg! Der IC gen Ruhrgebiet und Rheinland kommt pünktlich und ich finde ein Abteil nur für mich. Isolationshaft, die schrecken vor nichts zurück.

Da ich den ganzen Tag am Strand verbrachte und außer Frühstück und einem Cheddar(!!)-Sandwich noch nichts gegessen habe, ging ich ins Bordbistro, bestelle ein Bier und das Chili. Das nun folgende Martyrium ist nichts für schwache Nerven: ich probiere einen Löffel, es ist nur lauwarm. Frechheit! Ich reklamiere und bekomme die prompte Quittung, nun ist es – wie zu erwarten war – zu heiß. Frechheit!

Zum Glück nähern wir uns langsam dem Ruhrgebiet, doch der nächste Skandal lässt nicht auf sich warten. Kurz vor der Einfahrt in der Dortmunder Hauptbahnhof wird mitgeteilt, dass man deutlich zu früh dran sei und man deshalb etwas länger im Hauptbahnhof verweilen würde, auf dem Nachbargleich jedoch in Kürze ein Regionalexpress einführe, der einen schneller nach Bochum, Essen, Duisburg und Düsseldorf bringen würde. Ich meine: ich bin Vielfahrer, comfort-Kunde und ohnehin schon Bahn-Opfer und dann soll ich mit dem Pöbel im RE fahren!? Das toppt alles! Zum Glück erreiche ich alsbald meinen Heimatbahnhof. Nie wieder Deutsche Bahn! Also, bis Freitag zumindest.

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