0:5 – Souveräne Schalker machen mit dem MSV Duisburg im DFB-Pokal kurzen Prozess

Das Stadion in Duisburg. Quelle: Wikipedia, Lizenz: gemeinfrei
Das Stadion in Duisburg. Quelle: Wikipedia, Lizenz: gemeinfrei

Groß gegen Klein hat im DFB-Pokal ja traditionell schon seinen ganz speziellen Reiz. Wenn es dann auch noch zu einem echten Derby im Pokal kommt, dann ist die Vorfreude noch einmal größer. So auch im Lager des MSV Duisburg, als das Erstrunden-Los FC Schalke 04 bekannt wurde. Zahlreiche Fans hatten beim Vorverkaufsstart sogar extra vor den Kartenhäuschen übernachtet, um ja dabei sein zu können, wenn ihre Zebras auf den großen Nachbarn aus Gelsenkirchen treffen sollten. Und vielleicht wären sie dann ja auch Zeuge einer ganz besonderen Fußballparty.
Dass dieser Traum jedoch dann längst nicht immer so in Erfüllung geht, wie vom ‚Underdog‘ gewünscht, dass musste man heute Nachmittag auch schmerzhaft in Duisburg und Umgebung erfahren. Zu einseitig geriet der Nachmittag an der Wedau. Bereits zur Pause führten die Königsblauen auswärts mit drei Toren Vorsprung, waren zudem in Überzahl. Dass es am Ende dann ‚nur‘ 0:5 (0:3) ausging, war am Ende sogar noch schmeichelhaft für den inzwischen von jedweder Aufstiegseuphorie befreiten MSV. Die Schalker mit ihrem neuen Übungsleiter Andre Breitenreiter hingegen gehen nun nach diesem deutlichen Derbytriumph wohl recht zuversichtlich in den Bundesligaauftakt in der nächste Woche.

 
Grandiose Stimmung in Duisburg noch vor dem Anpfiff. Die Neuauflage des Pokalendspiels von 2011, damals hatte der ‚Große‘ das Duell übrigens ebenfalls souverän mit 5:0 gewonnen, füllte das ‚Wedaustadion‘. Die Gäste waren bestrebt von Anfang an ihre zuletzt im Umfeld zu spürende Aufbruchsstimmung zu bestätigen, das frühe Pokal-Aus im Vorjahr, als man ja in Runde Eins überraschend beim Drittligisten in Dresden unterlag, vergessen zu machen.
Es dauerte dann auch tatsächlich gar nicht lange, bis die 31.500 Zuschauer im Stadion, in der von Wolfgang Stark als Schiedsrichter geleiteten Begegnung, den ersten Treffer zu sehe bekamen.
Bereits in der dritten Minute markierte Klaas Jan Huntelaar die frühe Gästeführung. Ein langer Ball von Draxler brachte Choupo-Moting auf rechts in Position. Dessen Hereingabe wurde abgefälscht, erreichte Huntelaar, von seinem rechten Bein flog der Ball dann unhaltbar über die Torlinie.
Da waren sie dann auch schon fast alle über den Haufen geworfen, die guten Vorsätze von MSV-Coach Gino Lettieri, der seine Mannschaft im Vorfeld nicht als chancenlos ansah. ‚Bei einem Spiel hat man gegen jeden Gegner eine Chance. Egal ob das Schalke oder Bayern ist…‘, gab sich der Aufstiegscoach da noch recht zuversichtlich.

 
Es sollte allerdings ganz anders kommen an diesem Sommertag in Duisburg. Schalke überließ dem MSV nach der frühen Führung zwar zunächst die Initiative auf dem Platz, doch die Gastgeber wussten damit nichts, aber auch rein gar nichts anzufangen. Auch Schalke hatte bis zur 30. Spielminute seinerseits zwar kaum noch eigene Offensivszenen, nur wenige Torchancen, jedoch hatte Schalke jederzeit alles in Griff.
Ein Elfmeter in der 31. Minute sorgte dann für Aufregung. Huntelaar lief auf links auf und davon und beabsichtigte di Santo in der Mitte anspiele. Doch dieser wurde zuvor von MSV-Kapitän Bajic umgerissen. Die Folge: Strafstoß und die Gelb-Rote-Karte für den MSV-Aktiven, der erst drei Minuten zuvor verwarnt worden war. Di Santo scheiterte dann zwar mit seinem durchaus gut platzierten Versuch an Ratajczak, Duisburg agierte jedoch ab sofort natürlich in Unterzahl. Und da die Meidericher schon zuvor keine Offensivszenen kreieren konnten, wurde das Vorhaben hier auf den Ausgleich zu spielen, so natürlich fast schon unrealistisch und maximal erschwert.

 
Die Schalker nutzen die numerische Überlegenheit vor der Pause auch prompt noch zweimal konsequent aus. In der 39. Spielminute erhöhte Matija Nastasic per Kopf, nach Ecke von Geis, zunächst auf 0:2. Es war das erste Pflichtspieltor des Serben für S04. Johannes Geis sorgte unmittelbar vor dem Pausenpfiff mit einem Freistoßtreffer aus rund 27 Metern (45.) dann noch für endgültig klare Verhältnisse, in einen Derby, dem längst der ‚Zahn gezogen‘ zu sein schien.

 
Erwartungsgemäß plätscherte das Geschehen in Durchgang Zwei mehr oder weniger vor sich hin. Die Gäste spielten die Sache konzentriert und entspannt zu Ende. Das 0:4 in der 63. Spielminute durch einen Gewaltschuss von Neuzugang Franco Di Santo blieb eines der wenigen Highlights.
Dem MSV gelang auch in dieser Phase des Spiels kaum ein offensiver Akzent, obwohl die Königsblauen spürbar den Gang rausnahmen, Spielerwechsel den Fluss auf dem Rasen nach und nach weiter zerstörten. Den endgültigen Schlusspunkt setzte dann das 0:5 durch Leon Goretzka, der in der 85. Spielminute den ohnehin zuvor schon wunderschönen Nachmittagsausflug für tausende Schalke-Fans vor Ort abrundete.

 
Aus Sicht des gastgebenden MSV Duisburg fällt das Fazit hingegen abermals doch eher erschreckend aus. Man braucht derzeit schon viel Phantasie um beim MSV an eine erfolgreiche Saison vorherzusehen. Nicht das das heutige Spiel gegen den ‚großen Nachbarn‘ der Maßstab sein dürfte, aber in Summe machen die ersten beiden verlorenen Ligaspiele und die heutige Pokalpleite schon sehr nachdenklich. So wird das mit den Zebras jedenfalls nichts werden…

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Inzwischen gibt es übrigens auch eine offizielle Entschuldigung vom MSV Duisburg zu dem im Nachgang des Derbys in den sozialen Medien heiß diskutiertem Plakat mit der Aufschrift: "2011? Nicht mal der Rudi kann sich erinnern!", welches am Nachmittag von einigen MSV-Fans in der Arena hochgehalten wurde:

"Der MSV Duisburg entschuldigt sich in aller Form bei Rudi Assauer und dem FC Schalke 04. Einige Zuschauer in der Schauinsland-Reisen-Arena hatten beim DFB-Pokalspiel zwischen den Zebras und den Gästen aus Gelsenkirchen am Samstag, 8. August 2015, ein unfassbar geschmackloses und beleidigendes Plakat in die Höhe gehalten.

Rudi Assauer und seine Tochter Bettina Michel, die zum wieder holten Mal als Gäste in der Schauinsland-Reisen-Arena ein Spiel des MSV verfolgten, nahmen die Entschuldigung an: „Wir beide wissen, dass dieses Plakat überhaupt nicht die Meinung der Fans des MSV Duisburg widerspiegelt. Ganz im Gegenteil, wir sind bei fast jedem Heimspiel der Zebras dabei und werden von unseren Duisburger Freunden jedes Mal ausgesprochen herzlich aufgenommen. Das war heute auch so. Deshalb konnte auch nicht eine Handvoll Idioten uns einen ansonsten so schönen Fußballnachmittag kaputt machen. Wir kommen gerne wieder und drücken dem MSV selbstverständlich weiterhin die Daumen.“

MSV-Geschäftsführer Bernd Maas hatte unmittelbar nach dem Abpfiff auf der Pressekonferenz noch vor den beiden Trainern das Wort ergriffen und die Geschmacklosigkeit aufs heftigste kritisiert: „Diese so genannten ‚Fans‘ haben es geschafft, ein Transparent auszurollen, das mich fassungslos gemacht hat. Den Spielern und allen anderen Verantwortlichen ging es genau so. Es spiegelt nicht die Werte wieder, für die der MSV steht. Es tut mir sehr leid, ich entschuldige mich bei Rudi Assauer und dem FC Schalke 04 in aller Form."

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